Alkoholismus: Kernspin zeigt Rückfallrisiko an
Berlin – Strukturelle und funktionelle Veränderungen im Cortex, die mittels der Kernspintomographie festgestellt werden können, zeigten in einer Studie in den Archives of General Psychiatry (2012; 69: 842-85) ein mögliches Rückfallrisiko von entgifteten Alkoholkranken an.
Das Team um Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité, hatte 46 entgiftete Alkoholpatienten sowie eine ebenso große Kontrollgruppe mittels der Kernspintomographie untersucht. Die Alkoholkranken zeigten in den Bildern des 1,5-Tesla starken Scanners Auffälligkeiten, die für die Krankheit als typisch gelten. Dazu gehört eine gewisse Atrophie in Abschnitten des orbitofrontalen Cortex, die an der Verhaltensregulierung und der Emotionskontrolle beteiligt sind. Diese Veränderungen waren den Autoren zufolge bei Patienten, die bei einer Nachuntersuchung nach drei Monaten rückfällig geworden waren, besonders deutlich aufgeprägt.
Unterschiede fanden die Hirnforscher auch in der funktionellen Kernspintomographie. Sie stellt die Veränderungen der Hirnaktivität bei bestimmten Aufgaben oder Schlüsselreizen dar. Bei Alkoholkranken löst bereits der Anblick eines frisch gezapften Bieres andere Reaktionen aus als bei einem Gesunden. Die Berliner Forscher fanden hier Unterschiede zwischen den abstinenten und den später rückfälligen Patienten.
Bei den Rückfallpatienten wurden durch die Schlüsselreize vor allem Hirnareale aktiviert, die in erster Linie mit der Aufmerksamkeitslenkung assoziiert sind. Im Gegensatz dazu zeigten die abstinenten Alkoholpatienten eine Aktivierung der Hirnbereiche, die unter anderem der Verarbeitung von Reizen zugeordnet werden, die Widerwillen hervorrufen (aversive Reize) oder besonders bedeutsam sind (saliente Reize).
Anne Beck, die Erstautorin der Studie, interpretiert dies als mögliche Warnsignale, die im günstigen Fall einen Rückfall des Alkoholkranken verhindern. Die Forscherin hält es für möglich, dass in Zukunft kernspintomographische Untersuchungen genutzt werden können, um rückfallgefährdete Menschen frühzeitig zu identifizieren. Dies müsste allerdings erst in größeren prospektiven Studien überprüft werden.
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