Alkylverbindungen reichern sich in der Nahrungskette an

Berlin – Auf die Verwendung, die Anreicherung und die Gefahren von sogenannten Per- und Polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) hat die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag Stellung genommen. Danach werden die PFAS „in unzähligen Verwendungen eingesetzt“, zum Beispiel um wasser-, schmutz- und ölabweisende Oberflächen zu erzeugen.
Dies sei zum Beispiel bei Pfannen mit Anti-Haftbeschichtung, Getränkebechern, Pizzakartons und Outdoorkleidung der Fall. Bei der Herstellung, Verarbeitung, Nutzung und bei der Entsorgung würden die verwendeten PFAS dann in die Umwelt freigesetzt. „PFAS können unter Umweltbedingungen nicht abgebaut werden. In der Umwelt reichern sie sich in Wasser, Böden und Sedimenten an“, heißt es in der Antwort.
Flüchtige PFAS, zum Beispiel aus Imprägniersprays, verteilten sich zudem über Luftströmungen in der Atmosphäre und könnten dort an Partikel adsorbieren, wodurch sie über weite Strecken in der Luft transportiert würden. Über Regen oder Schnee gelangten sie dann in Böden und Gewässer.
Die Stoffe seien daher „weltweit in allen Umweltkompartimenten nachweisbar, auch fern jeglicher bekannter Quellen, wie zum Beispiel in der Arktis oder in Hochgebirgsseen“, so die Autoren der Antwort. Auch im Meer seien sie nachweisbar und reicherten sich langfristig in für den menschlichen Verzehr bestimmten Fischarten an.
Kurzkettige PFAS würden von Pflanzen aufgenommen und gelangten so in die Nahrungskette. Bisherige Erkenntnisse deuteten dabei auf ein ernstzunehmendes Umweltproblem hin.
„Im menschlichen Körper können langkettige PFAS an Proteine in Blut, Leber und Niere binden“, berichten die Autoren. Darüber hinaus sei von einigen PFAS bekannt, dass sie toxisch wirkten. „Besonders kritisch ist die lange Verweildauer einiger Stoffe im menschlichen Blut und die Weitergabe von der Mutter zum Kind während der Schwangerschaft und Stillzeit“, heißt es in der Antwort.
„PFAS sind weder abiotisch noch biologisch abbaubar und thermisch stabil“, so die Autoren weiter. Insbesondere eine Sanierung großflächiger Verunreinigungen sei bislang „nahezu unmöglich“.
Die EU-Kommission hat vor wenigen Tagen eine neue Chemikalienstrategie vorgestellt, die auch die PFAS einschließt. Ins Visier nimmt die EU-Kommission vor allem Stoffe, die das Hormonsystem und damit die Fruchtbarkeit stören, sogenannte endokryne Disruptoren.
Hinzu kommen Chemikalien, die Immunsystem oder Atemwege schädigen können, sowie PFAS, die sich über lange Zeit im Körper und in der Umwelt anreicherten und unter Krebsverdacht stünden. Solche Stoffe sollen nicht mehr verwendet werden, sofern dies nicht „für das Allgemeinwohl unverzichtbar“ ist. Aus Alltagsprodukten sollen sie verbannt werden.
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