Vom Arztdasein in Amerika

Als Arzt im Veteranensystem

  • Donnerstag, 8. September 2016
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Seit wenigen Monaten bin ich als geriatrischer Assistenzarzt auch Arzt im US-amerika­nischen Veteranensystem. Seit Jahrzehnten leisten sich die USA ein Gesundheitssystem welches ausschließlich für die Krankenversorgung und somit die Gesundheit der aktiven und ehemaligen Soldaten der amerikanischen Streitkräfte verantwortlich ist. Es umfasst einen Finanzhaushalt von 182 Milliarden US-Dollar für das Jahr 2017 (zum Vergleich, die BRD hat einen Staatshaushalt von knapp 320 Milliarden Euro vorgesehen), hat in allen Bundesstaaten Praxen und Krankenhäuser und mehr als 25.000 Ärzte eingestellt.

Es zieht so manchen Arzt in dieses System obgleich aus pekuniärer Sicht die Bezahlung als um knapp 20 bis 40% niedriger als der Durchschnitt anzusehen ist. Dafür ist der Arzt aber selbst bei medizinischen Fehlern juristisch im Prinzip unangreifbar, hat neben 26 Urlaubstagen im Jahr auch noch zehn bezahlte Feiertage und 13 Krankentage, weiter­hin stehen ihm Elternzeit, eine lebenslange Altersrente ab zehn Jahren Zugehörigkeit und eine sehr gute Krankenversicherung zu.

Weiterhin ist die Arbeitszeit klar geregelt und die allermeisten Ärzte haben nur einen geringen Zeitdruck weil die Arbeitspläne meistens weder dicht getaktet noch vom Patientendrängen bestimmt sind. Andere Details findet man in der Broschüre des Veteranensystemes:

http://www.vacareers.va.gov/assets/common/print/Physician_Brochure.pdf. Übrigens erinnert mich das ganze System an die gesetzliche Krankenversicherung in Deutsch­land.

Es halten sich böse Gerüchte über das Personal in diesem Parallelkrankensystem: Es arbeiten vor allem Ärzte mit einer Beamtenmentalität, die auf strenge Einhaltung der Regeln und Arbeitszeiten pochen, wie auch Ärzte die nirgends anders unterkommen, sowie auch Minimalisten, also Ärzte die mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Leistung haben wollen, die also ihre Krankentage jedes Jahr voll ausnutzen, so wenige Patienten wie möglich mit minimalem Aufwand als denkbar sehen und so fort. Ich will mich abschließend dazu nicht äußern, aber meine Kollegen pochen darauf, dass an diesem Gerücht mehr als nur ein Quentchen Wahrheit dran sei.

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