Medizin

Alte Antipsychotika bei B-Zell-Lymphomen wirksam

  • Mittwoch, 12. Dezember 2012

Neuherberg – Auf der systematischen Suche nach neuen Wirkstoffen gegen maligne B-Zell-Lymphome sind deutsche Forscher auf zwei fast vergessene Arzneien gestoßen. Die Antipsychotika Mepazin und Thioridazin hemmen laut einer Studie in Cancer Cell (2012; 22: 825–837) in aktivierten B-Zellen ein Enzym, das die Tumorzellen zum Überleben benötigen.

Unter den Namen Pactal und Mellaril waren Mepazin und Thioridazin ab den 1950er Jahren häufig eingesetzte Neuroleptika. Wegen der ausgeprägten extrapyramidalen Nebenwirkungen werden sie heute kaum noch eingesetzt. Pactal wurde vor längerer Zeit vom Markt genommen, ein Thioridazin-haltiges Präparat wird in der Roten Liste als Reservemedikament genannt. Es dürfte – auch wegen seiner stark sedierenden Wirkung – heute nur selten zum Einsatz kommen.

Das Team um Daniel Krappmann vom Helmholtz Zentrum in Neuherberg bei München stieß jetzt zufällig auf die beiden Wirkstoffe. Die Wissenschaftler suchten nach Molekülen, die das Enzym MALT1 (für „mucosa-associated lymphoid tissue lymphoma translocation protein-1“) hemmen. Dieses Enzym verhindert in B-Zellen eine Apoptose und sichert damit das Überleben der Tumorzelle.

In den Screenings-Tests erwiesen sich Mepazin und Thioridazin als potente Inhibitoren der Protease MALT1. Sie kommen deshalb zur Therapie von B-Zell-Lymphomen infrage und hier speziell beim diffus großzelligen B-Zell-Lymphom. Ob sie jedoch tatsächlich eine klinisch relevante antitumorale Wirkung erzielen, lässt sich kaum vorhersagen.

Da sie bereits am Menschen anwendet wurden, könnte unter weitgehender Umgehung von tierexperimentellen Experimenten schon bald mit klinischen Studien begonnen werden. Aufgrund der historischen Erfahrungen ist allerdings nicht unbedingt ein gut verträgliches Krebsmedikament zu erwarten.

rme

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