AMNOG: Onkologen fordern stärkere Einbeziehung der Fachgesellschaften
Berlin – Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, hat eine stärkere Einbeziehung medizinischer Fachgesellschaften in die frühe Nutzenbewertung neuer Arzneimittel gemäß Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) gefordert. „Beim AMNOG-Prozess sind die Fachgesellschaften relativ wenig beteiligt. Das halten wir für einen Fehler. Es wäre gut, wenn die Fachgesellschaften frühzeitig gehört würden“, sagte Wörmann gestern auf einer Veranstaltung des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa) in Berlin.
Im Rahmen des AMNOG-Verfahrens haben die Fachgesellschaften die Möglichkeit, eine Stellungnahme zu den bewerteten neuen Arzneimitteln abzugeben. Sehr häufig machten sie von dieser Möglichkeit Gebrauch, so Wörmann. Und in 31 Prozent der Verfahren hätten die Fachgruppen die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gewählte Vergleichstherapie kritisiert. „Da hat die Vergleichstherapie nicht dem entsprochen, was die Fachgesellschaften als Standard ansehen“, sagte Wörmann.
Lebensqualität soll bei den Studien stärker berücksichtigt werden
Ein weiterer Kritikpunkt sei die Subgruppenbildung. Weil manche neuen Arzneimittel nur bei bestimmten Patienten wirken, bildet der G-BA bisweilen Subgruppen und bewertet den Zusatznutzen des Arzneimittels anhand dieser Gruppen. Manchmal komme es dabei vor, dass der G-BA „am grünen Tisch“ Subgruppen bilde, die aber in der Praxis gar nicht sinnvoll seien. Hier sei es besser, vorher mit den Fachgesellschaften zu sprechen.
Wörmann betonte zudem, dass nicht ausschließlich die Überlebenszeit als wichtigster Endpunkt einer klinischen Studie herangezogen werden sollte. Gerade ältere Patienten würden oft der Lebensqualität ein höheres Gewicht einräumen. Die Pharmafirmen sollten das bei ihren Studien berücksichtigen. Diese Meinung vertritt unter anderem auch der unparteiische Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken.
„Möglicherweise fallen manche neuen Arzneimittel durch das Methodenraster“
Wörmann konstatierte, dass sowohl Onkologika als auch Arzneimittel gegen Infektionskrankheiten häufig einen Zusatznutzen zugesprochen bekommen – neue Medikamente aus den Bereichen Diabetologie und Neurologie hingegen kaum. „Woran liegt das?“, fragte er und mutmaßte: Vielleicht daran, dass das Gesamtüberleben bei akut kranken Menschen in der Onkologie und in der Infektiologie messbar sei, bei chronisch kranken Menschen in der Diabetologie und Neurologie hingegen nicht. Möglicherweise fielen hier manche neuen Arzneimittel durch das Methodenraster.
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