Anästhesie: Häufigeres Herzzeitvolumen-Monitoring gefordert
Irvine – Nur ein Drittel aller Anästhesisten führt bei größeren Operationen regelmäßig ein Herzzeitvolumen-Monitoring durch. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage, die auf dem European Anaesthesiology Congress in Amsterdam vorgestellt wurde.
Das Herzzeitvolumen-Monitoring ist für den Anästhesisten eine von drei Möglichkeiten, die Sauerstoffversorgung des Gewebes während der Narkose abzuschätzen. Nach Ansicht von Maxime Cannesson von der Universität von Kalifornien in Irvine ist das Herzzeitvolumen-Monitoring eine sinnvolle Ergänzung, weil die anderen beiden, der Hb-Wert und die Sauerstoffsättigung, nur Auskunft über die aktuelle Sauerstoffbeladung in den Blutgefäßen geben, nicht aber darüber, ob der Sauerstoff auch in ausreichender Menge in das Gewebe transportiert wird.
Dieser Transport ist abhängig von der Herzleistung, die als Herzzeitvolumen gemessen wird. Früher war dies nur über einen Swan-Ganz-Katheter möglich. Die Platzierung via rechten Vorhof und rechte Herzkammer in die Lungenarterie ist allerdings aufwändig und wird deshalb oft vermieden.
Heute gibt es jedoch weniger invasive Methoden, etwa den PICCO-Katheter. Er misst das Herzvolumen aus der Blutdruckkurve, die ein arterieller Katheter bestimmt, der ohnehin zur „blutigen“ Blutdruckmessung gelegt wird. Hinzu kommt zur Kalibrierung der Pulskonturanalyse ein zweiter zentralvenöser Katheter, den die meisten Patienten bei Hochrisiko-Operationen ebenfalls aus anderen Gründen erhalten.
Obwohl das Herzzeitvolumen-Monitoring damit ohne zusätzliche Belastung für den Patienten möglich ist, wird es selten eingesetzt. Eine Umfrage Cannessons zeigt, dass Anästhesisten in Nordamerika und Europa bei 65 Prozent aller Hochrisiko-Operationen auf das Herzzeitvolumen-Monitoring verzichten.
Da der Anteil der Hochrisiko-Operationen auf 10 bis 14 Prozent aller 240 Millionen Operationen, die jedes Jahr weltweit durchgeführt werden, gestiegen ist, bedeute dies, dass 30 Millionen Menschen unnötigen Risiken ausgesetzt werden. Zudem ist nicht auszuschließen, dass einige von ihnen dadurch vermeidbare Schäden erleiden.
Zu den Hochrisiko-Operationen zählt die European Society of Anaesthesiology Operationen an Leber, Pankreas oder Aorta sowie die meisten Krebsoperationen und die orthopädischen Operation an Wirbelsäule oder Hüfte. Cannesson rief in der Studie zu einem Aktionsplan auf. Eine Task Force der europäischen und nordamerikanischen Fachgesellschaften sollte eine Task Force gründen, die dann Empfehlungen ausspreche.
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