Medizin

Anthrazykline und Aromatasehemmer: Studien bestätigen Sicherheit von Brustkrebs­medikamenten

  • Samstag, 23. April 2016
Uploaded: 11.06.2012 19:38:10 by mis
dpa

Los Angeles/Pasadena – Anthrazykline und Aromatasehemmer, zwei häufig in der adjuvanten Brustkrebstherapie eingesetzte Wirkstoffgruppen, haben geringere Auswirkungen auf die langfristige Gesundheit der Patientinnen als bisher angenommen wurde. Dies geht aus zwei Studien in JAMA Oncology hervor.

Die adjuvanten Chemo- und Hormontherapien haben die Überlebenschancen von Frauen mit Brustkrebs deutlich verbessert. Im Frühstadium überleben heute neun von zehn Patientinnen. Es wird deshalb immer häufiger die Frage aufgeworfen, welche Spätfolgen die Behandlung haben könnte.

Die Bedenken betreffen zum einen die Anthrazykline. Zu dieser Gruppe gehören Doxorubicin und Epirubicin, die häufig bei der adjuvanten Chemotherapie eingesetzt werden. Erst kürzlich hatten Shelli Kesler von der Stanford Universität und Mitarbeiter in einer retrospektiven Studie an 62 Brustkrebspatientinnen herausgefunden, dass Frauen, die mit diesen Substanzen behandelt wurden, schlechtere Ergebnisse in verschiedenen kognitiven Tests erzielen (JAMA Oncology 2016; 2: 185-192).

Patricia Ganz und Kathleen van Dyk vom Jonsson Comprehensive Cancer Center in Los Angeles können dies jetzt in einer prospektiven Studie an 190 Patientinnen nicht bestä­tigen. Die Frauen hatten an der Mind Body Study teilgenommen, die speziell den Auswirkungen der Therapie auf die Hirnfunktion nachgegangen ist. Die Frauen waren zuletzt 4,8 Jahre nach der Behandlung untersucht worden.

Die Ergebnisse der neuropsychologischen Tests zu Gedächtnis, Denkgeschwindigkeit und exekutiven Funktionen („Verstand“) waren bei Frauen, die Anthrazykline erhalten hatten, zu keiner Zeit schlechter als bei Frauen, die keine Chemotherapie oder eine Chemotherapie ohne Anthrazykline erhalten hatten, berichten die Autorinnen jetzt in JAMA Oncology (2016; doi:10.1001/jamaoncol.2016.0350).

Postmenopausale Patientinnen erhalten heute häufig eine Hormontherapie. Diese wurde anfangs mit Tamoxifen durchgeführt. Inzwischen bevorzugen viele Therapeuten Aromatasehemmer. Letrozol, Anastrozol und Exemestan haben jedoch ungünstige Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel.

Dies scheint den meisten Therapeuten bewusst zu sein, wie eine retrospektive Analyse von 13.273 Brustkrebspatientinnen zeigt, die über die kalifornische Krankenkasse Kaiser-Permanente versichert sind. Patientinnen, die mit Aromatasehemmern behandelt wurden, erhielten häufiger als andere Cholesterinsenker und am Ende kam es bei diesen Patientinnen sogar seltener zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen als bei Frauen, die mit Tamoxifen behandelt wurden.

Als Reina Haque vom Forschungsinstitut von Kaiser-Permanente in Pasadena die Lipidwerte und andere Risikofaktoren in einer adjustierten Analyse ausgeglichen hatte, war der Unterschied verschwunden. Es gab jedoch keine Hinweise, dass Aromatase­hemmer das Herz-Kreislauf-System schädigen, schreibt Haque jetzt in JAMA Oncology (2016; doi: 10.1001/jamaoncol.2016.0429).

Die Forscherin stieß in ihrer Analyse jedoch auf ein anderes potenzielles Risiko. In ihrer Untersuchung hatte sie eine Kategorie „andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ gebildet. Dazu gehörten Herzrhythmusstörungen, Störungen der Herzklappen und eine Perikarditis. Bei Frauen, die mit Aromatasehemmern behandelt wurden, traten diese Erkrankungen nun gehäuft auf.

Die Hazard Ratios blieben auch nach Berücksichtigung anderer Ursachen statistisch signifikant, so dass ein Zufall ausgeschlossen ist. Ob diese Risiken real sind oder ob andere mögliche Ursachen übersehen wurden, sollte jetzt in weiteren Studien untersucht werden, fordert die Autorin.

rme

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