Medizin

Antikörper-Infusion könnte monatelang vor HIV schützen

  • Donnerstag, 28. April 2016

Bethesda – Eine einzige Infusion mit sogenannten breitneutralisierenden Antikörpern hat Affen über bis zu 23 Wochen vor einer Infektion mit einem HIV-ähnlichen Virus geschützt. Die in Nature (2016; doi: 10.1038/nature17677) vorgestellten Ergebnisse haben dabei die Verhältnisse bei einer wiederholten rektalen HIV-Exposition nachgestellt.

Vor der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Hepatitis A war es nicht unüblich, dass sich Reisende vor dem Besuch einer Hochendemie-Region durch die Infusion von spezi­fischen Immunglobulinen vor einer Infektion schützten. Diese passive Immunisierung gewährte dann über drei bis fünf Monate Schutz vor einer Infektion. Seit es einen effektiven Impfstoff gegen Hepatitis A gibt, wurde diese aufwendige und teure Prophylaxe verlassen.

Gegen HIV gibt es bekanntlich keinen effektiven Impfstoff. Seit der Entdeckung von breitneutralisierenden Antikörpern, die gegen die meisten Varianten des HI-Virus schützen, wird die Idee einer passiven Immunisierung bei HIV diskutiert. Sie könnte in Hochendemie-Ländern oder bei Menschen sinnvoll sein, die die effektive medika­mentöse Präexpositionsprophylaxe nicht einhalten.

US-Forschungsinstitute haben jüngst mit der ersten von zwei Phase 2-Studien zur Prävention von HIV-Infektionen durch Antikörper-Infusionen begonnen. Zum Einsatz kommt der vor Jahren bei einem HIV-Infizierten isolierte Antikörper VRC01, der in vitro 90 Prozent aller HIV-Varianten neutralisiert.

In der Vorbereitung der Studien waren vom US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) auch Experimente an Affen durchgeführt worden. Die Tiere erhielten eine einzelne Infusion mit einem von vier unterschiedlichen breitneu­tralisierenden Antikörper, darunter auch VRC01. Nach der passiven Immunisierung wurden die Tiere einmal wöchentlich mit einem chimären Virus infiziert, das Anteile von HIV und dem verwandten SIV enthielt, das Affen infiziert. Die rektale Exposition erfolgte bewusst in einer niedrigen Dosierung und solle die Situation nach wiederholtem Analverkehr simulieren.

Die Ergebnisse, die das NIAID-Team um Malcolm Martin jetzt vorstellt, sind vielversprechend. Die Schutzwirkung der passiven Immunisierung hielt bis zu 23 Wochen an, wobei VRC01 noch die schwächste Wirkung erzielte. Diese Wirkung könnte durch eine Modifikation der Antikörper weiter verstärkt werden. Bei VRC01 verlängerte eine Mutation im Fc-Abschnitt, die den Abbau des Antikörpers verminderte, die Dauer der Schutzwirkung von 8 auf 14,5 Wochen.

rme

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