Appelle: Grippeschutzimpfungen wahrnehmen

Berlin – Mit Blick auf Herbst und Winter haben Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Kassenärztliche Vereinigungen (KVen), ärztliche Berufsverbände und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur Grippeschutzimpfung in den Praxen aufgerufen.
„Impfen ist die wichtigste Maßnahme gegen eine Influenza-Erkrankung“, betonte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Stephan Hofmeister. Er appellierte an die Ärzteschaft, ihre Patientinnen und Patienten gezielt auf die Impfung anzusprechen.
Zur Unterstützung der Praxen stelle die KBV wieder diverse Materialien wie ein Plakat und eine Infokarte bereit. „Impfen kann Leben retten. Vor allem Risikogruppen wie ältere Menschen, chronisch Kranke und Immungeschwächte sollten sich impfen lassen“, hieß es von der KBV.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) richtete sich mit ihrem Impf-Appell insbesondere an Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf sowie Menschen in Pflege und Gesundheitsberufen.
„Vor allem ältere Menschen und chronisch Kranke haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf einer Atemwegserkrankung, sei es Grippe, COVID-19 oder Pneumokokken“, sagte die Ministerin.
Auch Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Schwangere und medizinisches Personal hätten ein höheres Risiko, schwer zu erkranken oder die Erkrankung an andere Menschen mit einem erhöhten Risiko zu übertragen.
Mit Plakaten in Arztpraxen und Anzeigen in den sozialen Medien werben unter anderem die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg und das Potsdamer Gesundheitsministerium für Impfungen gegen Grippe, Masern oder Tetanus. Hintergrund sind die zurückgehenden Impfquoten im Land.
„Standardimpfungen gehören zu den wirksamsten Maßnahmen, um schweren Erkrankungen vorzubeugen“, sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta Müller (BSW). „Doch die Zahlen zeigen: Viele Menschen lassen diese Impfungen gar nicht oder nicht regelmäßig auffrischen.“ Das gelte zum Beispiel für ältere Menschen in der Grippezeit.
„Sie sollten sich aufgrund des altersbedingt nachlassenden Immunsystems und des erhöhten Risikos für schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen gegen Grippe impfen lassen, da die Infektion bei ihnen deutlich schwerer verlaufen kann als bei jüngeren Menschen.“
Werbung für Coronaimpfungen machte die Gesundheitsministerin allerdings nicht. Das entspricht der Linie ihrer Partei: Auf Initiative auch des BSW gibt es im Brandenburger Landtag eine Enquetekommission, die die Folgen der Coronapandemie aufarbeiten soll. Auch heute machte Müller deutlich: „Uns ist dabei besonders wichtig zu betonen: Impfen ist eine persönliche Entscheidung – jede und jeder sollte sie gut informiert und selbstbestimmt treffen.“
Die Vorstandsvorsitzende der KVBB, Catrin Steiniger, betonte ebenfalls, dass „jede Standardschutzimpfung“ zähle. „Ärztliche Empfehlungen sind für viele Menschen der wichtigste Impuls“, sagte Steiniger. „Mit unserer Kampagne wollen wir Praxen unterstützen und Patientinnen und Patienten motivieren, ihren Impfschutz regelmäßig zu überprüfen.“ Nur so könne man das Vertrauen in die Impfungen festigen und die Impfquoten in Brandenburg nachhaltig verbessern.
„Es ist Anfang Oktober – der ideale Zeitpunkt, sich um den passenden Impfschutz zu kümmern“, richtete sich der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) an die Versicherten.
Impfen als ärztliche Kernaufgabe
Für die Ärzteschaft ist unterdessen weiter klar, dass das Impfen in die Kernkompetenz ihrer Berufsgruppe gehören. KBV-Vize Hofmeister sprach sich beim Thema Impfen entschieden gegen eine Ausweitung von Impfungen in Apotheken aus.
„Impfen gehört in die Praxis – schon allein unter dem Aspekt der Patientensicherheit. Denn Impfen ist weit mehr als nur die Injektion an sich, sondern umfasst auch die Impfaufklärung, die Anamnese, den Ausschluss von akuten Erkrankungen und Kontraindikationen sowie das Beherrschen von Notfallmaßnahmen“, so Hofmeister.
Voraussetzung sei eine entsprechende ärztliche Aus- und Weiterbildung – über die Apotheker nicht verfügten. „Impfen ist eine der Kernaufgaben der Ärztinnen und Ärzte, die sie jährlich millionenfach erfüllen“, sagte er. Umfassende Impfbefugnisse für Apotheken, wie sie das BMG offenbar plane, gefährdeten die Patientensicherheit.
Wer die Impfquoten steigern wolle, müsse endlich das „Impfhindernis Regress“ abschaffen, betonte KBV-Vorstandsmitglied Sibylle Steiner. Die KBV fordert seit Jahren die Streichung der gesetzlichen Regelung, wonach Ärzten ein Prüfverfahren mitsamt Regress droht, wenn die bestellte Menge an Influenza-Impfstoff über der verbrauchten Menge liegt.
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) waren in der Saison 2023/24 lediglich rund 38 Prozent der über 60-Jährigen gegen Grippe geimpft. Die Zielimpfquote, auf die sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Europäische Kommission geeinigt hatten, liegt bei 75 Prozent.
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