Appendizitis eine Virusinfektion?
Dallas – Die Diagnosen der nicht perforierenden Appendizitis steigen seit 1995 wieder an, während sie zuvor allmählich zurückgegangen waren. Eine nahezu parallele Entwicklung bei der Influenza veranlasst einen Chirurgen in den Archives of Surgery (2010; 145: 63-71) über eine virale Genese der Erkrankung nachzudenken.
Die Ursache der Appendizitis, die häufigste Indikation für einen bauchchirurgischen Eingriff, liegt völlig im Dunkeln. Gegen die Vermutung, dass eine Obstruktion, etwa durch Kot, der Auslöser ist, spricht, dass der intraluminale Druck im Appendix bei fortgeschrittener Entzündung steigt und so gut wie nie Kotsteine oder andere Konkremente gefunden werden.
Die konkurrierende Vermutung, dass infektiöse Erreger am Werk sind, liegt nahe, schließlich gehört die Appendix zum lymphatischen Gewebe, dessen vermehrte Aktivität im Fall einer Infektionsabwehr die Entzündung erklären könnte. Epidemiologische Hinweise fehlten jedoch, und auch die von Edward Livingston vom Southwestern Medical Center in Dallas aufgestellte Hypothese, ist alles andere als schlüssig.
Grippe-Erkrankungen nehmen bekanntlich in den Wintermonaten zu, während die Appendizitis in den Sommermonaten etwas häufiger als im Winter diagnostiziert wird. In keinem der letzten 30 Jahre hat es einen Wintergipfel gegeben.
Die US-National Hospital Discharge Survey zeigt jedoch Häufungen in den Jahren 1977, 1981, 1984, 1987, 1994 und 1998, die Livingston an virale Epidemien erinnern. Der Chirurg fand hier jedoch keine Parallelen mit bekannten Erregern. Auch Rotaviren oder andere Erreger von Darminfektionen kommen als Auslöser nicht in Betracht. Diese Erkrankungen treten ebenfalls in den Wintermonaten häufiger auf als im Sommer.
Interessant an der historischen Entwicklung seit 1970 ist, dass die Erkrankungszahlen mit perforierter Appendizitis konstant geblieben sind. Auch die Einführung Computertomografie (CT) in der Diagnostik hat nicht verhindern können, dass einige Patienten erst spät operiert werden.
Die Ausweitung der CT-Untersuchungen könnte aber erklären, warum die nicht perforierende Appendizitis seit etwa 1995 wieder häufiger diagnostiziert wird, schreibt Livingston.
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