Ärzteschaft

Arbeitsbelastung der Krankenhausärzte weiterhin hoch bis unerträglich

  • Mittwoch, 16. Februar 2011
ddp
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Berlin – Die rund 140.000 Kranken­hausärzte in Deutschland arbeiten weiterhin an ihrer Leistungsgrenze. Die Berufszufriedenheit ist aber wegen neuer Tarifverträge durch­schnittlich höher als noch 2007.

Das ergab eine Mitgliederbefragung der Ärzte­gewerkschaft Marburger Bund (MB) zur beruf­lichen Situation der angestellten Ärzte.

Mit mehr als 12.000 Teilnehmern handelt um die größte Ärztebefragung dieser Art in Deutsch­land.

Im Mittel arbeiten vollzeitbeschäftigte Ärzte rund 55 Stunden pro Woche. Wochen­arbeits­zeiten von 60 Wochenstunden und mehr haben im Vergleich zu 2007 zwar um fünf Prozent abgenommen, insgesamt arbeiten aber immer noch 76 Prozent der in Vollzeit beschäftigten Ärzte 50 Stunden und mehr pro Woche.

Erklärten 2007 noch 53 Prozent der Befragten, dass sie mit dem Gedanken spielen, ihre Tätigkeit im Krankenhaus aufzugeben, sind es jetzt trotz der hohen Arbeitsbelastung neun Prozent weniger, nämlich insgesamt 44 Prozent.

„Das ist kein Ergebnis, das uns ruhig schlafen lässt. Aber es zeigt doch, dass in den vergangenen Jahren durch unsere Tarifverträge einiges in Bewegung gekommen ist und mehr Ärzte als vorher wenigstens ein bisschen Licht am Ende des Tunnels sehen“, sagte der Erste Vorsitzende des MB, Rudolf Henke.

Aber auch wenn die Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen gestiegen sei, gebe es noch große Defizite: 41 Prozent der Befragten bezeichnen ihre Arbeitsbedingungen als schlecht oder sehr schlecht. Diese Unzufriedenheit resultiere direkt aus der Personalnot der Kliniken.

Im Durchschnitt sind laut der Umfrage 1,5 Arztstellen pro Abteilung unbesetzt. Hochgerechnet auf alle rund 8.500 Krankenhausabteilungen in Deutschland können die Kliniken demnach mehr als 12.000 Arztstellen nicht besetzen. In 71 Prozent der Abteilungen sind nach Angaben der Befragten eine oder mehrere Arztstellen vakant.

Als besonders störend empfinden die Ärzte laut Umfrage die Schreibtischarbeit im Krankenhaus: Mehr als die Hälfte der Ärzte benötige dafür täglich mehr als zwei Stunden. „Wir fordern Politik, Krankenkassen und Krankenhäuser dringend auf, gemeinsam Schritte zu einer wirksamen Entlastung einzuleiten. Das sind sie den Ärzten schuldig und auch den Patienten, die mit Recht erwarten, dass die Ärzte mehr Zeit für Gespräche haben sollten“, sagte Henke.

Darüber hinaus verlangt der MB mehr Geld für die rund 2.000 deutschen Krankenhäusern. Auf Dauer könnten die Kosten nicht sinken, sagte Henke mit Blick auf die jüngsten Sparauflagen von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). So würde es nach seiner Rechnung rund eine Milliarde Euro kosten, die 60 Millionen unbezahlten Überstunden von Ärzten zu vergüten. Würden die 12.000 freien Stellen besetzt, schlüge dies mit einem Betrag im „niedrigen einstelligen Milliardenbereich” zu Buche.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung wies die Forderung zurück. «Mit über 60 Milliarden Euro gibt es 2011 so viel Geld wie noch nie für die deutschen Krankenhäuser», erklärte Verbandssprecher Florian Lanz. Nötig sei eine Modernisierung der Krankenhauslandschaft. Jedes fünfte Krankenhausbett stehe leer. „Diese unnötige und teure Überversorgung muss abgebaut werden”, meinte Lanz. 
 

hil

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