Medizin

Arterielle Verschlusskrankheit durch Vitamin-D-Mangel

  • Donnerstag, 17. April 2008

New York – Die Prävalenz einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) war in einer Querschnittsstudie in Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology (2008, doi: 10.1161/ATVBAHA.108.165886) invers mit den Serumkonzentrationen von Vitamin D assoziiert. Die American Heart Association rät deshalb zu einer ausreichenden Vitamin-Zufuhr durch eine ausgewogene Kost. Für eine Vitamin-D-Supplementierung ist der Evidenzgrad der Untersuchung zu gering.

Zu den etablierten Risikofaktoren für die pAVK zählen Hypertonie, Dyslipidämie, Nierenfunktionsstörungen, Diabetes mellitus und Rauchen, also alle Faktoren, welche die Atherosklerose fördern, die das morphologische Substrat der Erkrankung ist. Die Atherosklerose wird heute nicht allein als passive Gefäßverkalkung verstanden, sondern als das Ergebnis eines aktiven entzündlichen Prozesses. Verschiedene tierexperimentelle Studien zeigen laut Michal Melamed vom Albert Einstein College in New York und Mitarbeitern, dass Vitamin D eine antientzündliche Wirkung entfalten kann.

Dies ist Grund genug, nach einer Assoziation zwischen Vitamin D und der Prävalenz einer atherosklerotischen Erkrankung wie der pAVK zu suchen. Hier bietet sich die US-National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) an, eine regelmäßig von den Centers of Disease Control and Prevention durchgeführte Querschnittsuntersuchung von US-Amerikanern. In der jüngsten Untersuchung aus den Jahren 2001 bis 2004 wurde auch der Knöchel-Arm-Index bestimmt (erhöhte Werte deuten auch eine pAVK hin) und die Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmt.

Die Auswertung von Melamed zeigt eine fast lineare inverse Beziehung zwischen den Vitamin-D-Spiegeln und der Prävalenz der pAVK. Im Quartil mit den höchsten Vitamin-Spiegeln (29,2 ng/ml oder höher) hatten 3,7 Prozent der Teilnehmer eine pAVK. Im Quartil mit den niedrigsten Vitamin-D-Werten (17,8 ng/ml oder weniger) waren es mit 8,1 Prozent mehr als doppelt so viele. Pro 10 ng/ml weniger Vitamin D im Blut steigt die Erkrankungshäufigkeit um 35 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 15 bis 59 Prozent).

Die American Heart Association weist darauf hin, dass aus den Ergebnissen nicht einfach abgeleitet werden kann, dass die Einnahme von Vitamin D einer pAVK vorbeugen kann. Dieser Beweis muss wohl einer randomisierten kontrollierten Studie vorbehalten bleiben. Die Beweiskraft von Querschnittsstudien wie NHANES ist gering. Sie liefern allenfalls einen ersten Hinweis. Und da Vitamine längst ihre Unschuld als risikolose Nahrungsergänzungsmittel verloren haben, fallen die Empfehlungen der Fachgesellschaften zunehmend zurückhaltend aus.

Vor einigen Jahren hätte die American Heart Assocation wohl noch zu Vitamintabletten geraten. Jetzt spricht sie sich nur für eine Vitamin-D-reiche Kost aus. Besonders reich an Vitamin D sind „Fettfische” wie Hering, Lachs und Thunfisch, die auch wegen ihres Gehalts an Omega-3-Fettsäuren eine gefäßpräventive Wirkung haben. Aber auch der häufige Aufenthalt im Freien kann nicht schaden, da Vitamin D auch in der Haut gebildet wird.

rme

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