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Ärzte ohne Grenzen: Ebola-Ausbruch noch nicht unter Kontrolle

  • Montag, 5. Oktober 2026
/picture alliance, Xinhua News Agency, Shi Yu
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Genf/Kisangani – Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik (DR) Kongo dürfte sich aus Expertensicht noch länger hinziehen. Nicht nur die vielen Fälle, sondern auch die geografische Ausbreitung des Bundibugyo-Ebolavirus (BDBV) auf inzwischen sieben Gesundheitszonen des Landes erschwerten die Bekämpfung, schilderte der Epidemiologe Manuel Albela Miranda, von Ärzte ohne Grenzen, bei einem Pressegespräch.

In den vergangenen Wochen sei die Zahl bestätigter Fälle zwar etwas zurückgegangen, doch dies kann aus seiner Sicht nicht als Anzeichen für ein nahendes Ende des Ausbruchs aufgefasst werden. „Angesichts der aktuellen Indikatoren gehen wir nicht davon aus, dass es sich um einen Ausbruch handelt, der in den nächsten Monaten vorbei sein wird.“

Ein Auf und Ab von Fallzahlen kenne man auch von früheren Ebola-Ausbrüchen. Wo das Virus als nächstes auftauchen würde, sei auch in den vergangenen Monaten oftmals nicht vorhersehbar gewesen. Als schlimmstes Szenario gelte momentan, dass das Virus die Millionen-Metropole Kinshasa erreicht.

„Es gibt nicht nur einen Hotspot. Die Fälle sind verstreut“, schilderte Cordula Häffner, die als Medizinische Teamleiterin für Ärzte ohne Grenzen derzeit in der Stadt Kisangani im Nordosten der DR Kongo im Einsatz ist. Sie berichtete, dass dort beispielsweise eine Privatklinik für 21 Tage geschlossen wurde, nachdem unter anderem Ärzte und Pflegekräfte erkrankten.

Dass der Ausbruch noch nicht im Griff ist, zeige der hohe Anteil an Fällen, bei denen kein epidemiologischer Zusammenhang zu einem anderen Erkrankten bekannt ist: „Bei der Hälfte [der Fälle] wissen wir nicht, wo sie herkommen“, so Miranda. Auch bei der Kontaktnachverfolgung hinke man noch deutlich hinterher, zu häufig würden gar keine Kontakte gemeldet. Erschwerend komme hier hinzu, dass es oft längere Zeit dauere, bis ein Patient im Labor als Ebola-Fall bestätigt werde, ergänzte Häffner.

Flexible Teams sollen Vorsprung vor dem Virus verschaffen helfen

Miranda, der vor wenigen Wochen selbst für die Hilfsorganisation in der DR Kongo im Einsatz war, beschrieb als große Hürden den noch immer schwierigen Zugang zur lokalen Bevölkerung und das mangelnde Vertrauen. Nötig seien mehr flexible Response-Teams, die abseits von Hotspots in die Fläche geschickt werden können, um sich dort – möglichst präventiv oder nach Auftreten erster Fälle – eng mit den Communitys auszutauschen.

Die Menschen hätten durch die bewaffneten Konflikte in ihrer Region schon eine lange Leidenszeit hinter sich und kein Verständnis für die Präsenz neuer Akteure vor Ort, schilderte der Epidemiologe. „Die Frage, die die Menschen stellen, ist berechtigt: Warum kommt ihr erst jetzt, um zu helfen, wo hier doch schon seit so vielen Jahren Menschen getötet werden?“ In Bezug auf Ebola herrschten daneben auch große Ängste.

Häffner und Miranda betonten, dass große Anstrengungen unternommen werden müssten, um die Bevölkerung für die Komplexität und die Schwere der Krankheit zu sensibilisieren, um sie aber auch zu Partnern zu machen. Eine wichtige Rolle komme auch Genesenen zu, die das Behandlungszentrum wieder verlassen und in ihre Communitys zurückkehren könne, erläuterte Häffner. Man versuche, sie zu Multiplikatoren zu machen: Damit sich die Botschaft herumspricht, dass die Krankheit real ist – aber auch behandelbar, wenn sich Betroffene möglichst früh melden.

Ganz beikommen werde man dem Misstrauen aber auch mit geplanten staatlichen Aufklärungskampagnen nicht, meint Häffner – wie schwierig das sei, habe sich schließlich während der COVID-19-Pandemie auch in Europa und anderen Ländern in Form von Verschwörungserzählungen gezeigt.

Akzeptanz auch wichtig für Studien zu Impfstoffen und Therapie

Inzwischen sind in der DR Kongo verschiedene Studien zu Impfstoffen und Therapieoptionen angelaufen, jene zu BDBV-spezifischen Vakzinen stehen aber noch aus. Untersucht wird zunächst die Effektivität des Impfstoffs Ervebo, der gegen das Zaire-Ebolavirus (EBOV) zugelassen ist: „Es sind 70.000 Dosen im Land“, so Miranda.

In Kisangani würden bereits Beschäftigte an vorderster Front geimpft und es sei Nachschub geordert worden, so Häffner. Zahlen lagen ihr nicht vor. Sie berichtete auch von einem „Compassionate-Use“-Programm mit dem Virostatikum Remdesivir. Die Frage, inwieweit diese Maßnahmen bei der Bekämpfung des Ausbruchs helfen werden, hänge auch wieder vom Vertrauen der Bevölkerung ab, betonte Miranda. Wenn einem nicht vertraut werde, ließen sich die Menschen auch nicht impfen und kämen nicht in die Zentren, um sich behandeln zu lassen.

Die Zahl der bestätigten Fälle im Zuge des Ausbruchs liegt inzwischen bei mehr als 8.000, fast 4.000 dieser Patientinnen und Patienten starben. Als genesen sind mehr als 2.000 Menschen gemeldet. Bei keinem der bisherigen Ebola-Ausbrüche wurde eine so schnelle Ausbreitung beobachtet. Er wurde erst offiziell im Mai bekannt, dauerte zu dem Zeitpunkt aber wohl bereits mehrere Monate an. Es handelt sich bisher um den zweitgrößten bekannten Ebola-Ausbruch überhaupt, hinter jenem in Westafrika ab 2014.

ggr

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