Ärztekammer ruft zu mehr Engagement gegen Sprachstörungen bei Kindern auf

Hannover – Fast jedes vierte Kind in Niedersachsen hat beim Schulstart sprachliche Defizite. Darauf weist die Ärztekammer des Landes auf der Basis von Schuleingangsuntersuchungen hin. Danach hatten im Jahr 2015 21,2 Prozent der Kindern Sprachauffälligkeiten, im Jahr 2024 waren es 24,9 Prozent.
„Die Zahlen sind alarmierend und wir stehen hier vor einer enormen gesellschaftlichen Herausforderung“, sagte Kammerpräsidentin Martina Wenker. Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung, der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover und anderen hat die Kammer daher ein Positionspapier erarbeitet, das Lösungswege aufzeigen soll.
Die Fachleute empfehlen eine qualifizierte Sprachdiagnostik für Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren, um sprachliche Defizite früh zu erkennen. Außerdem fordert der Arbeitskreis einen Ausbau der Sprachförderung für Kinder in Kindertageseinrichtungen. Zudem könne eine digitale Sprachförderung zum Beispiel über eine App hilfreich sein, weil zu wenige Sprachförderkräfte verfügbar seien.
Die Ärztekammer weist daraufhin, dass bei Sprachdefiziten eine Kinderrehabilitation sehr effektiv ist – allerdings seien die Wartezeiten auf eine solche Maßnahme wegen der begrenzten Behandlungskapazitäten lang.
„Wenn wir die Sprachentwicklung nicht genau im Blick haben und bei Problemen rechtzeitig gegensteuern, erleiden die betroffenen Kinder noch viele andere Schwierigkeiten, die sie mitunter ihr Leben lang begleiten werden“, warnte Thomas Buck, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Mitglied im Landesvorstand der ÄKN.
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