Arztnavigator offiziell gestartet

Berlin – Ab heute können Patienten, die nach einem Arzt suchen, den Arztnavigator der Krankenkassen AOK und Barmer GEK nutzen. Das von der Bertelsmanns Stiftung unterstützte Projekt bietet den rund 30 Millionen Mitgliedern beider Kassen die Möglichkeit ihre Arztbesuche zu bewerten. Auf Grundlage eines Fragebogens, der vierzig Fragen umfasst, wird eine Datenbank erstellt, die von jedem – auch Mitgliedern anderer Kassen - online eingesehen werden kann.
Patienten können dort sowohl nach einem Arzt in der Nähe einer Adresse als auch direkt nach einem bestimmten Arzte suchen. Suchanfragen können darüber hinaus auch nach bestimmten Kriterien gezielt filtert werden, zum Beispiel nach der Bewertung der Praxisausstattung, oder der Freundlichkeit des Arztes. Ein direktes „Ranking“ der Ärzte ist nicht vorgesehen.
Die Ergebnisse können jedoch nach „Weiterempfehlungsbereitschaft“ sortiert werden, also danach wie viele der befragten Patienten, den Arzt weiterempfehlen würden, was einer Art Rangliste entspricht.
Die AOK hatte das Projekt Arztnavigator schon 2009 angekündigt, stieß jedoch auf große Kritik seitens der Ärzteschaft, die „Schmähkritik“ und unfaire Bewertungen befürchtete. Das nun vorgestellte überarbeitete Konzept verzichtet sowohl auf Schulnoten, als auch Felder für die freie Eingabe von Kommentaren. Dadurch sei ein „Maximum an Fairness für die Ärzte“ erreicht, verkündete der Vizechef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann.
Auch sind Mehrfachbewertungen eines Arztes durch einen Patient nicht möglich. Jede Bewertung kann nur von einem Versicherten der AOK oder Barmer GEK mit gültiger Versicherungsnummer vorgenommen werden. Die Bewertungen werden anonymisiert und können jederzeit durch den Versicherten geändert werden. So soll die Datenbank auf dem aktuellsten Stand gehalten werden.
Erst wenn mindestens zehn Bewertungen für einen Arzt abgegeben wurden, wird das Ergebnis auch auf der Seite angezeigt. Vorher erscheinen nur die Adresse und der Name des Arztes in der Ergebnisliste.
Der Vize-Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery bescheinigt dem AOK-Arztnavigator „weitgehend die von der Ärzteschaft geforderten Qualitätskriterien zu erfüllen“. Insgesamt besteht der Arztnavigator 35 der 40 gestellten Anforderungen des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin.
Jedoch warnte Montgomery davor, dass auch dieses Bewertungsportal das Grundproblem bei dieser Form der Arztbewertung nicht lösen könne. „Anonyme Internetbewertungen sind nicht nachprüfbar“, auch beim AOK-Arztnavigator nicht. Fachliche Kriterien, wie Qualifikation, Hygiene oder Aktualität der Ausstattung bleiben außen vor und können bisher nur von „den ärztlichen Körperschaften und den zuständigen staatlichen Stellen“ beurteilt werden.
„Dieses Portal kann eine Informationsquelle sein“, sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Im Gegensatz zu anderen Angeboten, die wie ein „elektronischer Pranger“ wirkten, berücksichtige das Angebot Qualitätsrichtlinien der Ärzteschaft. Damit könne es auch den Medizinern helfen. Die beste Empfehlungsschiene sei immer noch die persönliche, - also Mund- zu Mund-Propaganda, betonte der KBV-Sprecher.
Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), begrüßte den Arztnavigator als seriöse Arztsuche und faire Arztbewertung von Patienten für Patienten.
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