Arztpraxen zünden Impfturbo: Fünf Millionen Menschen gegen COVID-19 geimpft

Berlin – Niedergelassene Ärzte haben bis heute mehr als 5,4 Millionen Dosen gegen COVID-19 verimpft. Das ist das Ergebnis einer Modellierung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Den bisherigen Tagesrekord mit 730.000 geimpften Patienten erzielten die Praxen am vergangenen Mittwoch.
„In den letzten vier Wochen haben die Arztpraxen in Deutschland ihre enorme Leistungsfähigkeit einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, bilanzierte der Zi-Vorstandsvorsitzender Dominik von Stillfried.
„Knapp 8 Prozent der Impfberechtigten haben im April eine Erstimpfung in den Praxen bekommen. Fast 1,1 Prozent waren es alleine am Mittwoch. Nahezu 64.000 Praxen haben sich an der Impfstoffbestellung beteiligt.“ Mit verlässlicheren Auslieferungen in die Praxen hätte seiner Ansicht nach sogar eine noch höhere Impfleistung pro Woche erreicht werden können.
Das Zi rechnet in seiner Modellierung der COVID-19-Impfkampagne derzeit mit einem Potenzial von bis zu 1,2 Millionen Impfungen pro Woche in den Arztpraxen. „Allerdings ist das Impfen gegen COVID-19 zeitaufwendiger als etwa eine Grippeschutzimpfung“, mahnt der Zi-Vorstand. Die Praxisteams seien besonders durch Einbestellungen und Terminmanagement stark belastet.
Vor diesem Hintergrund spricht sich das Zi dafür aus, die vorgeschriebene Priorisierung in den Praxen schnellstmöglich aufzuheben. Dadurch lasse sich unnötiger Stress vermeiden und das Impftempo erhöhen. „Zudem könnte es helfen, Astrzeneca vorwiegend in Impfzentren und außerhalb der Impfpriorisierung zu verimpfen,“ erklärte der Zi-Vorstandsvorsitzende.
Solange die Lieferzusagen eingehalten würden, könnte laut Zi-Modellierung bereits Ende Mai weit mehr als die Hälfte der Impfberechtigten mindestens die Erstimpfung erhalten haben, drei Viertel der Impfberechtigten bereits Mitte Juni erstgeimpft sein.
„Damit wären bei einer anzunehmenden Impfbereitschaft von etwa 80 Prozent fast alle Impfwilligen erreicht. Dies wäre dann auch der Zeitpunkt, ab dem in den Impfzentren nur noch Zweitimpfungstermine durchgeführt werden sollten,“ forderte von Stillfried.
Aus Gründen der Effizienz, der Klarheit für die Impfstoffverteilung und der damit verbundenen Effekte für das Impftempo forderte das Zi Bund und Länder auf, zeitnah Kriterien für die weitere Ausrichtung der Impfzentren aufzustellen.
Für die Praxisteams sei es wichtig, zur Organisation des Praxisalltags und der Impfstoffbestellungen frühzeitig verlässliche Hinweise zu den bereitgestellten Impfstoffmengen zu erhalten: „Um die Pandemie schnellstmöglich zu beenden, müssen Vertragsarztpraxen und gegebenenfalls auch Betriebsärzte im Juni das Impfgeschehen noch einmal hochskalieren. Das verlangt Vorbereitung in den Praxen und setzt belastbare Bestellmengen voraus“, bekräftigte von Stillfried.
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