Ärzteschaft

Asthmaversorgung: Verbände regen Stickstoffmonoxidmessung als Kassenleistung an

  • Donnerstag, 30. April 2026
/rh2010, stock.adobe.com
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Berlin – Würde die Messung des Stickstoffmonoxids in der Ausatemluft (FeNO) eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), könnte dies die Versorgung von Patienten mit Asthma verbessern und gleichzeitig bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr sparen.

Das berichten die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), der Bundesverband der Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin (BdP), die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) sowie der Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA) in der Fachzeitschrift Pneumologie (2026; DOI: 10.1055/a-2834-1743).

Während die FeNO-Messung in Großbritannien, der Schweiz, der Tschechischen Republik und weiteren europäischen Ländern seit Jahren zur Regelversorgung gehöre, müssten gesetzlich Versicherte in Deutschland die Untersuchung meist selbst bezahlen. Die Folge ist laut den Fachgesellschaften eine zu geringe Nutzung dieser Messung, was im Widerspruch zu den Empfehlungen nationaler und internationaler Asthma-Leitlinien stehe.

„In einer Zeit, in der unsere Bundesgesundheitsministerin Einsparungen in Milliardenhöhe fordert, wäre die Aufnahme der FeNO-Messung in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung das richtige Signal und ein deutlicher Gewinn für alle Seiten“, sagte Marek Lommatzsch, Erstautor des Positionspapiers und stellvertretender Direktor der Klinik für Pneumologie am Universitätsklinikum Rostock. Er vertritt im Autorenboard des Positionspapiers auch die DGAKI, zusammen mit dessen Präsidenten Eckard Hamelmann.

Mit Unterstützung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) haben die vier Verbände deshalb einen Antrag auf ein Methodenbewertungsnutzungsverfahren beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eingeleitet. Der Antrag wird sich zunächst auf Erwachsene beschränken und die beiden Indikationsfelder Primärdiagnostik und Therapiemanagement umfassen. 

Das Positionspapier fasst die aktuelle Evidenz in vier Indikationsfeldern zusammen, in denen die FeNO-Messung die Versorgung von Menschen mit Asthma verbessert: Dies ist die Sicherung der Asthma-Diagnose, die Steuerung der inhalativen Therapie, die Prüfung der Therapieadhärenz und die Evaluation einer Biologikatherapie. 

„Metaanalysen zeigen, dass ein FeNO-gesteuertes Asthma-Management die Rate an akuten Krankheitsschüben um bis zu 40 Prozent senkt“, erklärte Ludger Klimek vom Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden und Mitautor für den AeDA.

Gesundheitsökonomische Analysen aus Schweden, Spanien, den USA und Kanada belegten zudem das Kosten-Nutzen-Verhältnis: Dabei wurden die Kosten für die FeNO-Untersuchung den dadurch entstehenden Einsparpotenzialen gegenübergestellt, unter anderem Krankenhauskosten, Notaufnahmevorstellungen und die Vermeidung teurer Inhalations- und Biologikatherapien.

„Basierend auf internationaler Evidenz haben wir die potenziellen ökonomischen Einsparungen in Deutschland konservativ mit 60 Euro jährlich pro Patientin beziehungsweise Patient geschätzt“, erläutert Lommatzsch. Bei rund fünf Millionen Asthmapatienten in Deutschland ergibt sich laut den Verbänden so ein Einsparpotenzial von rund 300 Millionen Euro.

„Als pneumologische und allergologische wissenschaftliche Fachgesellschaften und Berufsverbände in Deutschland appellieren wir geschlossen an die Entscheidungsträger für eine Aufnahme dieser Untersuchung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen“, betonte Sebastian Sohrab vom BdP.

hil

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