Ausland

Auffrischimpfung für Londoner Kinder gegen Polio geplant

  • Mittwoch, 10. August 2022
/jarun011, stock.adobe.com
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London – In London sollen eine Million Kinder eine Auffrischimpfung gegen Polio bekommen, nachdem der Erreger im Abwasser der britischen Hauptstadt nachgewiesen wurde. Wie das britische Gesundheitsministe­rium heute mitteilte, wird allen Kindern im Alter von einem bis neun Jahren die erneute Impfung gegen die Kinderlähmung empfohlen.

Poliomyelitis war auf der ganzen Welt verbreitet, bis in den 1950er-Jahren ein Impfstoff gefunden worden ist. Inzwischen gilt die Infektionskrankheit in den meisten Weltregionen als ausgerottet. In Großbritannien wurde der letzte Fall 1984 verzeichnet.

Die Schluckimpfung gegen Polio schützt vollständig Geimpfte vor einer Infektion, kann aber über mit Impfvi­ren kontaminierte Fäkalien im Abwasser zu Ansteckungen bei anderen Menschen führen. Die dabei auftreten­de Virusvariante ist zwar schwächer als das Poliowildvirus, kann aber bei Ungeimpften immer noch schwere Krankheiten und Lähmungen verursachen. Betroffen sind vor allem kleine Kinder.

Neue Infektionsfälle haben die Behörden in London bisher zwar nicht festgestellt. Die Funde in mehreren Kläranlage deuteten aber darauf hin, „dass es in diesen Bezirken ein gewisses Maß an Virusübertragung gibt, das sich auf angrenzende Gebiete ausbreiten kann“, erklärte das Ministerium.

Die Polio-Expertin Kathlene O'Reilly befürchtet „eine lokale Ausbreitung des Poliovirus“. Betroffen seien höchstwahrscheinlich Menschen mit fehlender oder unvollständiger Immunisierung. Nach Angaben der Welt­gesundheitsorganisation (WHO) liegt die Polioimpfrate in London bei knapp 87 Prozent – das ist weniger als im Rest des Landes.

afp

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