Bahr diskutiert mit Schülern über Pflege
Berlin – Eine Schülerin fällt Daniel Bahr ins Wort. „Das habe ich nicht gesagt“, hält sie dem Bundesgesundheitsminister entgegen. Bahr hatte seine Gesprächspartnerin so interpretiert, die Schülerin wolle einen Beruf, in dem sie keine Fehler und immer die gleichen Aufgaben machen könne. Nun berichtigt die Realschülerin: „Ich kann mir nur einen Pflegeberuf nicht vorstellen, weil ich Angst habe, Fehler zu machen.“
Sonst hat der wortgewandte Gesundheitsexperte rhetorisch aber die Oberhand bei seinem Besuch der Schule in Trägerschaft des Erzbistums Berlin. Anlässlich der Imagekampagne „Ich pflege, weil ...“ seines Ministeriums ist er zu einer Diskussion gekommen, um bei den Jugendlichen für den Pflegeberuf zu werben. „Ich will euch überreden, äh, natürlich begeistern, in die Pflege zu gehen“, verhaspelt sich der Politiker nur einmal.
Böse Zungen könnten behaupten, dass nun schon Ressortchefs durch Schulklassen tingeln müssen, um den Pflegekollaps aufzuhalten. Fest steht: Die alternde Gesellschaft wirft ihre langen Schatten voraus. „Die Situation der Pflege ist angespannter denn je“, erklärten unlängst übereinstimmend der Deutsche Pflegerat und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Steigende Zahlen Pflegebedürftiger in Krankenhäusern und Heimen einerseits, Stellenabbau, Mangel an Pflegekräften und schlechte Bezahlung andererseits.
Schon heute fehlen in Deutschland nach Meinung der Experten 30.000 Pflegefachkräfte. Bis zum Jahr 2030 könnte sich der Mangel zum regelrechten Pflegenotstand ausgewachsen haben, warnte die Bertelsmann-Stiftung im vergangenen Herbst. Dann fehlen möglicherweise eine halbe Million Vollzeit-Pflegekräfte. Schließlich ist es auch noch alles andere als sicher, dass die Gefahr mit weitausholenden Rekrutierungskampagnen von Polen bis Fernost aufgefangen werden kann.
Dagegen sucht Minister Bahr vor den jungen Leuten die Gelassenheit eines Mannes auszustrahlen, der Attraktives anzubieten hat. Ein „Pflegebotschafter“, der neben ihm sitzt, soll beim Begeistern helfen. Im Rahmen der Kampagne können Menschen in Pflegeberufen ihr Bild und ihre Botschaft an das Ministerium schicken. Wie der junge Mann davon spricht, macht klar, dass die Pflege für ihn genau das Richtige ist. Als eine Schülerin Arbeitsbedingungen und Bezahlung erfragt, verweist der ungewöhnliche Diplomat auf seine guten Arbeitsbedingungen. „Ich arbeite in einem kleinen Haus mit netten Kollegen.“
Bahr hat eine Gegenfrage parat: „Was glauben Sie denn, wie viel eine Fotografin verdient, die nicht erfolgreich ist?“, hält er einer Schülerin entgegen, die es in diesen Beruf zieht. „In der Pflege haben Sie immer einen sicheren Job“, betont der Minister. „Aber ich ekle mich davor, andere Leute zu waschen oder zu wickeln“, bringt ein anderer Schüler vor. „Ich würde viel lieber in die Forschung.“ Auch hier hat der Politiker schnell ein Gegenargument.
„Was, wenn Sie einen Affen aufschneiden müssten, hätten Sie da keinen Ekel?“, gibt Bahr zu bedenken. Er verweist auf die vielen erfüllenden Aspekte des Pflegeberufs, den Kontakt zu Menschen, das Engagement für andere. Zugleich räumt der Politiker den wachsenden Druck auf das Pflegepersonal ein, effizienter zu arbeiten, um die Kosten niedrig zu halten.
Eine wichtige Schützenhilfe erhält Bahr, als Schüler von ihren Berufspraktika berichten. Da klingt durch, dass einigen soziales Engagement in Krankenhäusern oder Kindertagesstätten durchaus Freude gemacht hat. Der Minister quittiert es mit sichtlicher Zufriedenheit.
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