Beckenbodentraining in der Schwangerschaft zur Prävention von prä- und postpartaler Harninkontinenz sinnvoll

Köln – Erstgebärende Frauen mit Einlingsschwangerschaft haben während der Schwangerschaft und in den ersten Wochen nach der Entbindung seltener eine Harninkontinenz, wenn sie während der Schwangerschaft an Beckenbodentrainings teilgenommen haben.
Das geht aus einer vorläufigen Nutzenbewertung hervor, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vorgenommen hat.
„Die Harninkontinenz – definiert als jeglicher unwillkürlicher Harnverlust – stellt als häufigstes Symptom einer Beckenbodenschwäche sowohl prä- als auch postpartal eine große Belastung für die betroffenen Frauen dar. Sie tritt oft in Form einer sogenannten Belastungsinkontinenz (früher Stressinkontinenz genannt), seltener als Dranginkontinenz oder als Mischform dieser beiden Varianten auf“, heißt es in dem Bericht.
Das IQWiG-Team hat die Effekte von Beckenbodentraining in der Schwangerschaft mit anderen Maßnahmen zur Prävention von Harninkontinenz sowie zu keinen präventiven Maßnahmen bei schwangeren Frauen ohne Symptome einer Harninkontinenz verglichen.
„In der Gesamtschau aller Ergebnisse lässt sich für erstgebärende Frauen mit Einlingsschwangerschaften ein Hinweis auf einen höheren Nutzen des zusätzlichen Beckenbodentrainings im Vergleich zur alleinigen Standardversorgung ableiten“, lautet das Fazit des Instituts.
Für andere Endpunkte wie die prä- und postpartale Stuhlinkontinenz, postpartale Schmerzen oder die Sexualfunktion ergab sich auf Basis der vorliegenden Studiendaten laut dem Forschungsteam kein Nutzen oder Schaden des Beckenbodentrainings.
Mögliche Nebenwirkungen des Beckenbodentrainings wurden in den eingeschlossenen Studien nicht berichtet – auch nicht zum Geburtsverlauf. Es zeigte sich laut dem IQWiG für die Geburt „kein nachteiliger Effekt zuungunsten des Beckenbodentrainings im Vergleich zur alleinigen Standardversorgung“.
Das IQWiG hat seine Recherche als Vorbericht veröffentlicht. Interessierte können diesen bis zum 27. Januar kommentieren.
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