Bindegewebszellen für Infektionsabwehr wichtiger als gedacht
Hannover – Bindegewebszellen sind für die Ausschüttung von Interferonen und damit für die Infektionsabwehr offenbar wichtiger als bislang angenommen. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Julia Spanier, Wissenschaftlerin am Institut für Experimentelle Infektionsforschung des Twincore – Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover im Journal of Immunology (doi:10.4049/jimmunol.1400959).
Eine schnelle und starke Interferonausschüttung ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Virusabwehr. Besonders dramatisch sind die Folgen einer zu schwachen Reaktion beispielweise bei Infektionen mit dem Tollwut-Virus, die häufig tödlich verlaufen. Allerdings wissen wir laut den Wissenschaftlern bislang nur sehr wenig darüber, wie die Interferonausschüttung angeregt und gesteuert wird.
Die Twincore-Forscher meinen, jetzt zwei Hauptwege dazu identifiziert zu haben. „Wir wollten herausfinden, welche Wege tatsächlich eine Rolle spielen, um die überlebenswichtige Induktion der Interferon-Ausschüttung zu garantieren“, so Spanier. Der Wissenschaftlerin ist es gelungen, die Kombination zweier Reaktionsketten, die zur Ausschüttung von Interferonen führen, zu unterbrechen. In diesen Reaktionsketten geben sogenannte Mustererkennungsmoleküle die Information weiter, dass eine RNA fremd ist und bekämpft werden muss.
Wird die Information über die betreffenden Moleküle nicht weitergegeben, weil der Adapter defekt ist, bildet die Zelle kein Interferon. Zwar können sich die beiden Reaktionswege gegenseitig weitgehend ersetzen, aber wenn beide ausgeschaltet sind, bildet der Organismus kein Interferon und überlebt eine Infektion mit einem Modelvirus für Tollwut nicht.
„Diese beiden Hauptwege werden von unterschiedlichen Zelltypen genutzt“, erklärt die Biologin. „Fresszellen, konventionelle Dendritische Zellen und bestimmte Sorten von Stromazellen schlagen den einen Weg ein. Der zweite Weg ist besonders für plasmazytoide Dendritische Zellen und besondere Sorten von Stromazellen relevant.“
Aber was haben Stromazellen mit der Ausschüttung von Interferonen zu tun? „Wir haben festgestellt, dass gesundes Gewebe maßgeblich zur Ausschüttung von schützendem Interferon während einer Virusinfektion beiträgt“, so Spanier. Dies sei ein „besonders spannender Aspekt, den wir weiter untersuchen werden“.
Es ergäben sich daraus ganz neue Perspektiven für die Abwehr schwerer Infektionskrankheiten wie Tollwut. „Denn offenbar sind die Wege, auf denen Körperzellen erfahren, dass Gefahr droht und dementsprechend miteinander kommunizieren, noch viel komplexer, als die Wissenschaftler bisher angenommen hatten“, hieß es aus dem Twincore.
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