Medizin

Binge-Drinking bedeutet nicht immer Alkoholabhängigkeit

  • Dienstag, 25. November 2014
Uploaded: 25.11.2014 18:11:40 by mis
dpa

Boston – Unter Menschen, die mitunter exzessiv trinken, sind viele nicht alkohol­abhängig. Das meinen Wissenschaftler um Timothy Naimi von der Boston University in einer Studie des Centers of Disease Control and Prevention. Sie weisen darauf hin, dass klassische Suchtinterventionen in dieser Zielgruppe oft fehl am Platze seien (doi 10.5888/pcd11.140329).

In vielen Untersuchungen zum Trinkverhalten hat sich die Vokabel des „Binge-Drinking“ als ein Begriff für exzessives Trinkverhalten etabliert. Bisher ist dieser Begriff jedoch nicht einheitlich definiert, meint aber zumeist den Konsum von mindestens vier bis fünf alkoholischen Getränken zu einer Trinkgelegenheit. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts gaben in Deutschland zehn Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer an, wenigstens einmal pro Monat mindestens diese Menge zu trinken.

In der Gruppe der 18 bis 29-jährigen Männer tranken elf Prozent mindestens einmal pro Woche mehr als fünf alkoholische Getränke zu einer Gelegenheit. Gehäuftes „Binge-Drinking“ gilt als Risikofaktor für eine Alkoholabhängigkeit und hat auch langfristige gesundheitliche Folgen für die Konsumenten. Dennoch ist nach Angaben der Wissenschaftler nicht klar, wie viele dieser exzessiven Trinker bereits abhängig sind.

Die Gruppe verwendete Daten der National Survey on Drug Use and Health 2009, 2010 und 2011, die Daten zu Drogen- und Alkoholkonsum der US-Amerikaner erhob. Die Teilnehmer wurden über persönliche Interviews und Fragebögen unter anderem zu ihrem Trinkverhalten befragt. Rund 138.100 Teilnehmer konnten die Wissenschaftler in ihre Studie einschließen. Eine Alkoholabhängigkeit wurden von den Wissenschaftler nach den sogenannten DSM IV-Kriterien gestellt.

27,4 Prozent aller Antwortenden gaben an, innerhalb der letzten 30 Tage wenigstens einmal Alkohol in Binge-Drinking Mengen konsumiert zu haben. Binge-Drinking war besonders unter jenen verbreitet, die mindestens einen Collegeabschluss hatten und ein jährliches Einkommen über 75.000 Dollar aufwiesen. Nur in 10,5 Prozent der Fälle ermittelten die Wissenschaftler Hinweise auf eine Alkoholabhängigkeit. Unter Trinkern, die mindestens zehn Mal pro Monat riskante Mengen Alkohol konsumierten, zeigten immer noch zwei Drittel keine Hinweise für eine Alkoholabhängigkeit – zumindest in dieser Studie.

Die Wissenschaftler geben aber keine Entwarnung. Sie weisen vielmehr daraufhin, dass mit steigender Frequenz der Trinkgelage das Risiko für eine Alkoholabhängigkeit und für Folgeschäden deutlich steigt. Sie meinen aber, dass eine Erhöhung der Alkoholsteuer, Abgabebeschränkungen und ein verstärktes Screening für diese Betroffenen mehr Wirkung zeigen könnten, als eine klassische Suchtberatung.

hil

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung