Blutdruckmanschette als einfacher Test zur Vorhersage postoperativer Schmerzen

Jena/Mannheim – Wie empfindlich jemand auf das Aufpumpen einer Blutdruckmanschette reagiert, könnte ein Hinweis darauf sein, wie stark die Schmerzen nach einer Operation ausfallen. Das legt zumindest eine Studie des Universitätsklinikums Jena nahe, die auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim vorgestellt wurde.
Sophie Wulff, Winfried Meißner und Johannes Dreiling schreiben im Abstract (P06.01), dass der einfache Screeningtest künftig helfen könnte, Risikopatientinnen und -patienten für starke postoperative Schmerzen frühzeitig zu identifizieren.
Bis zu drei Viertel aller Betroffenen berichten nach operativen Eingriffen über moderate bis starke Schmerzen. Unzureichend behandelter postoperativer Schmerz kann die Mobilisation erschweren, den Krankenhausaufenthalt verlängern und das Risiko für chronische postoperative Schmerzen (CPSP) erhöhen. Besonders gefährdet sind Menschen mit erhöhter Schmerzsensitivität – sie reagieren bereits auf milde Reize überdurchschnittlich stark.
Einfache Testung während der Routineblutdruckmessung
In der Jenaer Studie wurde untersucht, ob sich diese individuelle Schmerzempfindlichkeit einfach über eine standardisierte Blutdruckmessung erfassen lässt. 383 Personen aus 3 Studienzentren nahmen teil, von denen 366 in die Analyse einflossen.
Vor der Operation wurde bei allen Teilnehmenden eine Blutdruckmanschette am Oberarm auf 260 mmHg aufgepumpt und für 10 Sekunden gehalten. Anschließend bewerteten die Probanden den Schmerz auf einer numerischen Ratingskala (NRS) von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster vorstellbarer Schmerz). Postoperativ wurden sie mit dem validierten QUIPS-Fragebogen zu Schmerzintensität und Beeinträchtigungen befragt.
Schmerzempfindlichkeit als relevanter Faktor
Im Durchschnitt lag die Schmerzintensität bei der Manschettenmessung bei 3,4 ± 2,6 Punkten. Rund ein Drittel der Patientinnen und Patienten (34 %, NRS > 4) reagierte überdurchschnittlich empfindlich. Diese Gruppe berichtete am ersten postoperativen Tag über signifikant höhere Maximalschmerzwerte sowie stärkere Schmerzen bei Bewegung als weniger empfindliche Teilnehmende.
Auch nach Kontrolle anderer Einflussfaktoren blieb die Schmerzreaktion auf die Manschette signifikant mit der maximalen Schmerzintensität nach der OP und einem zusammengesetzten Schmerz-Score (Intensität, Beeinträchtigung, Nebenwirkungen) assoziiert.
Früherkennung könnte Schmerztherapie verbessern
Dem Forschungstrio zufolge könnte die einfache, schmerzfreie Testung während der präoperativen Routineblutdruckmessung helfen, Menschen mit erhöhtem Risiko für starke postoperative Schmerzen frühzeitig zu erkennen. So ließen sich Schmerztherapie und Nachsorge individueller anpassen – und möglicherweise das Risiko für chronische postoperative Schmerzen verringern.
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