Bluttest soll künftig individuelle Infektionsgeschichte klären

Erlangen-Nürnberg – Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Uniklinikums Erlangen wollen einen Bluttest entwickeln, der klären soll, mit welchen Infektionen ein Individuum bereits in Kontakt gekommen ist.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt das Vorhaben namens „Infektionsdiagnostik durch T-Zell-Rezeptor-Analysen und -Sequenzierung“ (Intra-SEQ) in den kommenden vier Jahren mit rund 1,5 Millionen Euro.
Im Fokus des Projekts stehen die T-Lymphozyten. Jeder Mensch verfügt über circa 100 Millionen verschiedene Sorten von ihnen. Die T-Zell-Rezeptoren sprechen auf spezifische molekulare Antigene an, die je nach Art des Rezeptors sehr unterschiedlich aussehen können. Bei einer Infektion vermehren sie sich, bilden Klone und hinterlassen nach Abklingen der Infektion Gedächtnis-T-Zellen.
„Wenn man alle im Blut zirkulierenden T-Zellen untersucht, lässt sich also im Prinzip sagen, mit welchen Krankheitserregern die jeweilige Person im Laufe ihres Lebens bereits in Kontakt gekommen ist“, hieß es aus der Arbeitsgruppe. Zudem ließe sich so abschätzen, gegen welche dieser Erreger sie vermutlich noch immun sei.
Dieses diagnostische Potenzial wird laut der Arbeitsgruppe bislang allerdings zu wenig genutzt. Das Projekt „Intra-SEQ“ soll dies ändern: Die Forschenden wollen mit einem Bluttest einen Überblick über die komplette Infektionsgeschichte und den Immunitätsstatus eines Menschen erhalten.
„Die Exposition gegenüber bestimmten Erregern führt bei vielen Menschen zur Entwicklung ähnlicher oder sogar gleicher T-Zell-Klone“, erklärt Forschungsgruppenleiter Kilian Schober vom Mikrobiologischen Institut – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene am Uniklinikum Erlangen.
Die Forschenden wollen daher Personen untersuchen, die im Laufe ihres Lebens nachweislich mit bestimmten Krankheitserregern infiziert waren. Durch den Vergleich der Rezeptoren auf ihren T-Zellen wollen sie Gemeinsamkeiten identifizieren, die für diese jeweiligen Erreger spezifisch sind.
Dazu will die Arbeitsgruppe Algorithmen aus dem Gebiet des maschinellen Lernens nutzen. „Wir wollen auf diese Weise Bibliotheken von T-Zell-Rezeptoren aufbauen, die für bestimmte Krankheiten charakteristisch sind“, erläutert Schober.
In dem Projekt Intra-SEQ kooperieren das Mikrobiologische Institut, das Virologische Institut, die Medizinische Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie und die Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen.
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