Ärzteschaft

Bundesärztekammer sieht Modellstudiengänge positiv

  • Donnerstag, 17. Juli 2014
Uploaded: 17.07.2014 17:34:54 by mis
Studierende aus Modellstudiengängen kommen frühzeitig mit Patienten in Kontakt /dpa

Berlin – Junge Mediziner aus den Modellstudiengängen sind nicht nur sehr gut ausge­bildet, sie haben auch weniger Berührungsängste dem Patienten gegenüber. Das sagte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, heute gegen­über der Zeitung Die Zeit. An dem Gespräch nahm auch Hans-Jochen Heinze teil, Vorsitzender des Medizin-Ausschusses des Wissenschaftsrates und Ärztlicher Direktor der Neurologie der Universität Magdeburg.

Beide betonten, bei aller notwendigen Praxisnähe des Studiums sei eine fundierte wissenschaftliche Grundausbildung unverzichtbar. „Das heutige Studium bietet da zu wenig“, so Heinze. Ärzte müssten in der Lage sein, gute klinische Studien von schlechten zu unterscheiden. „Und sie müssen erkennen, wann man gegenüber Daten skeptisch sein sollte. Es darf nicht sein, dass ein Pharmavertreter im Gespräch mit seinen Statistikkenntnissen auftrumpfen kann, um ein vermeintlich tolles neues Medikament einzuführen“, sagte er.

„Angesichts des rasanten medizinischen Fortschritts werden Ärzte immer häufiger in die Situation kommen, für unsere Patienten Therapien zu erwägen, für die es noch keine endgültigen Wirkungsstudien gibt, die aber dennoch sehr sinnvoll sein können“, sagte Montgomery. Auch dafür sei ein wissenschaftliches Grundverständnis nötig. „Wir wollen schließlich keine Ärzte, die stur Leitlinien abarbeiten“, so der BÄK-Präsident.

Hintergrund des Gespräches sind die neuen Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur künftigen Gestaltung des Medizinstudiums. „Aufbauend auf den Erfahrungen der bestehenden Modellstudiengänge halten wir eine konsequente Weiterentwicklung des Medizinstudiums in Richtung kompetenzorientierter, integrierter Curricula für erforderlich“, hatte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Manfred Prenzel, Anfang der Woche erklärt. Die Modellstudiengänge hätten einen kontinuierlichen Veränderungsprozess angestoßen und Kreativität und Gestaltungswillen an den Fakultäten freigesetzt. Sie könnten daher „als Erfolg gewertet werden“, so Prenzel.

Montgomery erläuterte in dem Gespräch, dass es für die Fakultäten eine besondere Herausforderung sei, Modellstudiengänge einzuführen. Eine solche Reform koste „unglaublich viel Mühe und Zeit. Sie müssen das gesamte Studium umkrempeln, aus Semesterveranstaltungen neue kleine Lerneinheiten schneidern, und alle Professoren einer Fakultät müssen da mit ziehen. Das erfordert eine starke Führung“, so der BÄK-Präsident.

hil

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