Bundesgesundheitsminister Gröhe bekennt sich zur ärztlichen Selbstverwaltung

Berlin – Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hält das Prinzip der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen für attraktiv und zukunftsweisend. Das hat der Minister am Donnerstagabend beim Neujahrsempfang von Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) in Berlin bekräftigt.
Gröhe erklärte jedoch zugleich, eine funktionierende Selbstverwaltung sei auf Kollegialität angewiesen. „Es würde mich freuen, wenn in der Selbstverwaltung Kollegialität noch besser gelänge.“ Damit spielte der Minister auf den schwelenden Konflikt zwischen Haus- und Fachärzten im Vorstand und der Vertreterversammlung der KBV an.
Der erfahrene Unionspolitiker Gröhe ist ein Neuling in der Gesundheitspolitik. Von den rund 600 geladenen Gästen aus Ärzteschaft, Politik und Verbänden wurde sein erster größerer Auftritt deshalb mit Spannung erwartet. Sein Ziel sei es, die Weichen im Gesundheitssystem so zu stellen, dass dessen Leistungsfähigkeit auch angesichts des demografischen Wandels sichergestellt sei, betonte Gröhe.
Dafür sei es wichtig, das Problem des Ärztemangels insbesondere auf dem Land zu lösen und den ärztlichen Nachwuchs zu fördern. Dazu gehört es dem Minister zufolge auch, die Zugangsvoraussetzungen zum Medizinstudium so zu verändern, dass der Zugang nicht länger in erster Linie von der Abiturnote abhängt: „Wir müssen die Diskussion um das Medizinstudium 2020“ beginnen.“
Großen Respekt für seine Leistung zollte der neue Minister dem KBV-Vorstandsvorsitzenden, Andreas Köhler, der Stunden zuvor aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt zum 1. März angekündigt hatte. Köhler habe Herausragendes für die Versorgung und das Gemeinwohl geleistet, sagte Gröhe.

Der KBV-Chef hatte nach einem Herzinfarkt im vergangenen November am Montag seinen Dienst in der KBV wieder angetreten. „Doch leider muss ich nach nur wenigen Tagen feststellen, dass es mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein wird, das Amt in der Form, wie es notwendig ist, fortzuführen“, erklärte Köhler beim Neujahrsempfang. „Das ist ein großer Schritt, der mir alles andere als leicht fällt.“
Die ambulante ärztliche und psychotherapeutische Versorgung und die Einheit des KV-Systems seien Themen, die ihn seit Jahrzehnten persönlich beschäftigt hätten, meist über einen 14-Stunden-Arbeitstag hinaus. „Ich war und bin Überzeugungstäter“, sagte Köhler. Er appellierte an die Selbstverwaltung, sich auf die Sacharbeit zu konzentrieren: „Letztendlich geht es bei allem, was wir tun, um Menschen. Und es geht um einen respektvollen Umgang mit diesen. Das gilt auch für uns selbst.“
Der Präsident der BÄK, Frank Ulrich Montgomery, erklärte zum Rücktritt von Köhler: „Wir haben in der Zusammenarbeit die Prinzipien der Kollegialität immer beachtet.“ Er habe die Erfahrung gemacht, dass ein gemeinsames Auftreten beider Organisationen in der Politik immer einen gewissen Eindruck hinterlassen habe.

Montgomery würdigte Köhlers Leistung für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und betonte – anknüpfend an äMinister Gröhe: „Wir sind der Kollegialität verpflichtet und werden alles für eine gute Zusammenarbeit tun.“ Dem Minister bot er im Namen der Ärzteschaft eine konstruktive Zusammenarbeit an.
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