Bundesjustizminister fordert mehr Aufmerksamkeit für Organspende

Saarbrücken – Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat gefordert, die Organspende stärker in den öffentlichen Fokus zu stellen, um ihr mehr Selbstverständlichkeit zu verleihen. Dies gelte auch für politische Debatten, die in der Öffentlichkeit ein Zeichen für mehr Wertschätzung und Anerkennung setzen könnten, sagte Maas auf einem Angehörigentreffen in Saarbrücken, das die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) und die Ärztekammer des Saarlandes organisiert hatten. Maas zufolge sei letztendlich die Entscheidung jedes einzelnen Bürgers wichtig, um das Leben von schwerkranken Patienten zu retten.
Für mehr Wertschätzung und gesellschaftliche Würdigung für die Organspender und ihre Familien sprach sich Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO aus. „Die Zustimmung zur Organspende ist ein Akt der Solidarität und Nächstenliebe, der höchste Würdigung verdient – nicht nur hier im kleinen Kreis, sondern gerade auch in der breiten Öffentlichkeit.“
Laut DSO ist bei etwa 40 Prozent der Verstorbenen der Wille bekannt, weil dieser entweder schriftlich dokumentiert wurde – zum Beispiel in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung – oder zu Lebzeiten mündlich mitgeteilt wurde. In allen anderen Fällen obliegt es den Angehörigen, den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen zu ermitteln oder, sofern dies möglich ist, nach eigenen Wertvorstellungen zu entscheiden.
Zuletzt war die Zahl der Organspenden in Deutschland weiter gesunken. Im ersten Halbjahr 2017 spendeten 412 Menschen ihre Organe, wie die DSO im Juli bekanntgab. Das war demnach die geringste Zahl an Spendern in einem Halbjahr, die jemals gemessen wurde. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 421 Spender, 2011 noch 575.
Auch die Zahl der gespendeten Organe ging deutlich zurück. Sie fiel von 1.397 im ersten Halbjahr 2016 auf jetzt 1.331. Die Zahl der transplantierten Organe sank im gleichen Zeitraum von 1.448 auf 1.410. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) rief damals dazu auf, eine Kultur zu schaffen, die die Organspende stärke. Dazu gehöre, dass Krankenhäuser die Transplantationsbeauftragten auch fortbildeten und angemessen entlohnten.
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