Medizin

Cannabiskonsum fördert psychotische Symptome

  • Mittwoch, 2. März 2011
dpa
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Maastricht/München – Cannabis begünstigt bei Jugendlichen das Auftreten psychotischer Symptome, die auf eine Schizophrenie hindeuten. Wird der Konsum fortgesetzt, dann neigen auch die psychotischen Symptome zur Persistenz. Dies zeigen die Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 342: d738).

Dass viele Jugendliche mit psychotischen Symptomen Cannabis konsumieren, ist bereits in früheren Untersuchungen aufgefallen. Es war jedoch nicht klar, was Ursache und was Wirkung ist. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Psychose die Jugendlichen anfälliger für den Drogenkonsum macht, ja es könnte sogar sein, dass der Cannabiskonsum zur Linderung der Beschwerden beiträgt. Dann wäre es eine Art Selbsttherapie der Jugendlichen. Die Ergebnisse der „Early Developmental Stages of Psychopathology“ oder EDSP-Studie entwerfen jedoch ein anderes Bild.

Es handelt sich um eine repräsentative Stichprobe von 1.923 Adoleszenten aus dem Raum München im Alter von 14 bis 24 Jahren. Sie wurden mittlerweile über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet. Während dieser Zeit fanden drei ausführliche Untersuchungen statt. Sie wurden von klinischen Psychologen durchgeführt, die neben einer Drogenanamnese die Teilnehmer auf psychopathologische Charakteristika hin untersuchten.
 

Jugendliche, die zu Beginn der Untersuchung Drogen konsumiert hatten oder psychiatrisch auffällig waren, wurden von der Teilnahme ausgeschlossen. Da die Patienten zweimal nachuntersucht wurden, kann die Gruppe um Jim van Os von der Universität Maastricht klar zeigen, dass der Cannabiskonsum in der Regel den psychotischen Symptomen vorausging.

Sie errechnen eine Odds Ratio von 1,9 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,1-3,1). Mit anderen Worten: Jugendliche, die Cannabis rauchen, zeigten in den Folgeuntersuchungen fast doppelt so häufig Anzeichen einer beginnenden Psychose.

Die Forscher können außerdem zeigen, dass der Cannabis-Konsum auch das Risiko auf eine Persistenz der psychotischen Symptome verdoppelt. Die Odds Ratio betrug hier 2,2 (1,2-4,2). Hinweise, dass psychotische Symptome die Neigung zum Cannabiskonsum fördern, fanden sie indes nicht. Die Ansicht, dass der Drogenkonsum eine therapeutische Wirkung habe, werde durch die Daten nicht gestützt, schreiben die Autoren.

Cannabis dürfte damit zwar nicht die alleinige Ursache einer Schizophrenie sein. Es könnte aber bei vulnerablen Personen oder bei einer familiären Belastung die Entwicklung einer Psychose präzipitieren, schreiben die Editorialisten Wayne Hall von der Universität Queensland und Louisa Degenhardt vom Burnet Institute in Melbourne, beide aus Australien, wo der Cannabiskonsum unter Jugendlichen weit verbreitet ist (BMJ 2011; 342: d719).

Sie weisen daraufhin, dass ein Cannabiskonsum auch mit schlechteren schulischen Leistungen assoziiert ist, häufig den Einstieg zum Konsum weiterer Drogen fördert und im Erwachsenenalter die Aufnahme sozialer Bindungen hemmt. All das sei durch Studien belegt.

Dennoch halten die Editorialisten nichts von einer verschärften Prohibition, da sich diese nach allen Erfahrungen als unwirksam sei und den betroffenen Jugendlichen durch eine Kriminalisierung eher noch weiteren Schaden zufüge.

rme

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