Capsaicin: Scharfes Essen senkt Sterberisiko von Chinesen

Peking – Chinesen, die scharf gewürzte Speisen bevorzugen, was vor allem durch die Verwendung von Chili geschieht, hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie im British Medical Journal (BMJ 2015; 351: h3942) ein niedrigeres Sterberisiko – aber nur, wenn sie keinen Alkohol konsumierten.
Viele Chinesen mögen ihr Essen scharf und Chili-Pfeffer ist das bevorzugte Gewürz. Die Schärfe in den Chilis wird durch Capsaicin erzeugt. Capsaicin ist in den letzten Jahren zu einem beliebten medizinischen Forschungsobjekt geworden. PubMed listete am 5. August 2015 insgesamt 12.583 Einträge. Das Fettsäureamid, das seine Schärfe über Schmerzrezeptoren auf sensiblen Nervenzellen erzielt, soll antimikrobielle, antioxidative, entzündungshemmende und Anti-Krebs-Eigenschaften besitzen, darüber hinaus einen günstigen Einfluss auf die Darmflora haben und Anti-Adipositas-Effekte erzielen. In der Summe könnte dies zu einer Senkung der Sterblichkeit führen, der ein Team um Liming Li von der Universität Peking in einer Analyse der Kadoorie Biobank nachgegangen ist.
Die Kohorte von mehr als einer halben Million Chinesen aus zehn Regionen wurde zu Beginn der Studie (2004 bis 2008) nach ihren Ernährungsgewohnheiten interviewt. Eine Frage betraf die Häufigkeit scharf gewürzter Speisen. Diese Angaben setzte Li mit den Sterbedaten in Verbindung. Bis 2013 waren während einer im Mittel 7,2-jährigen Nachbeobachtungszeit 11.820 Männer und 8.404 Frauen gestorben. Die Analyse ergab tatsächlich, dass Menschen, die häufig scharf gegessen hatten, eine etwas niedrigere Sterblichkeit hatten.
Im Vergleich zu Teilnehmern, die seltener als einmal pro Woche scharf gewürzte Speisen aßen, hatten diejenigen, die 1 oder 2 Tage in der Woche scharf aßen, ein um 10 Prozent geringeres Sterberisiko (Hazard Ratio HR 0,90; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,84-0,96). Für diejenigen, die 3 bis 5 Mal in der Woche stark gewürzte Speisen zu sich nahmen, war das Sterberisiko um 14 Prozent vermindert (HR 0,86; 0,80-0,92). Eine gleich große Risikominderung wurde für Personen gefunden, die 6 oder 7 Tage in der Woche scharf gewürzt speisten (HR 0,86; 0,82-0,90). Die Senkung der Sterberate beruhte auf einer Senkung der Zahl der Krebs- und Herz-Kreislauf-Todesfälle sowie der Todesfälle an Diabetes.
Der absolute Unterschied war aber gering: Scharfe Speisen senkten die Sterblichkeit um weniger als 2 Todesfälle pro 1.000 Personen-Jahre. Das dürfte zu wenig sein, um Chili-Pfeffer zu einem „funktional food“ zu erklären, das einen gesundheitlichen Zusatznutzen hat. Zumal nicht erwiesen ist, dass der Assoziation auch eine kausale Wirkung zugrunde liegt.
Die Forscher haben zwar etliche Eigenheiten ausgeschlossen, die als Risikofaktor infrage kämen. Darunter waren aber nur drei Angaben zu den Ernährungsgewohnheiten (Konsum von rotem Fleisch, frischem Gemüse und frischem Obst). Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass nicht die Gewürze das Leben verlängern, sondern die Speisen, die damit gewürzt werden.
Wer die Ergebnisse dennoch als Ernährungsrichtlinie nutzen möchte, sollte tunlichst darauf achten, die Schärfe der Speisen nicht durch alkoholische Getränke abzumildern. Die Berücksichtigung des Alkoholfaktors führte in der Analyse nämlich dazu, dass die protektive Assoziation verschwand.
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