Chemikalien in Kosmetika: EU-Abgeordnete stimmen für Lockerungen

Brüssel – Schminke, Shampoos und Sonnencreme könnten in der EU künftig mehr Schadstoffe enthalten: Die Abgeordneten zweier zuständiger Ausschüsse im Europaparlament haben gestern für Lockerungen der Regeln für Chemikalien in Kosmetika gestimmt. Sie folgten damit einem Vorschlag der EU-Kommission, nach dem Kosmetika künftig nicht mehr die gleichen Standards erfüllen müssen wie Lebensmittel. Bei den Änderungen geht es um Chemikalien, die in größeren Mengen krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsschädigend wirken können.
Die EU führt eine Liste dieser Chemikalien. Wenn der Liste ein Stoff hinzugefügt wird, darf dieser in der Folge nicht mehr in Lebensmitteln oder Kosmetika verwendet werden. Hersteller können eine Ausnahme beantragen, wenn keine Alternativen verfügbar sind und sie nachweisen können, dass die verwendete Menge in ihren Produkten nicht schädlich wirkt. Bislang gelten für Kosmetika dabei die gleichen Standards wie für Lebensmittel, dies soll sich nun ändern.
Die Abgeordneten gehen in ihrer Position aber nicht so weit wie die Kommission selbst. Diese hatte vorgeschlagen, dass Chemikalien in Kosmetika künftig nicht mehr verboten sein sollen, wenn sie nur bei Verschlucken und Einatmen als schädlich gelten. Davon rückten die Abgeordneten nun ab. Ähnlich hatte sich bereits der Rat der Mitgliedstaaten positioniert, mit dem die Abgeordneten noch über einen finalen Gesetzentwurf verhandeln müssen.
Dabei dürften unter anderem die Übergangsfristen im Zentrum stehen, bis zu denen die Hersteller Produkte mit verbotenen Chemikalien aus dem Verkehr ziehen müssen. Die Kommission hat dafür ein Jahr für neue Produkte und zwei Jahre für den Vertrieb bereits hergestellter Waren vorgeschlagen. Die Abgeordneten wollen diese Fristen auf drei Monate beziehungsweise ein Jahr verkürzen, wenn das Produkt im Test für Kosmetika für schädlich befunden wird. Gilt ein Produkt als sicher und bleibt nur aufgrund erhältlicher Alternativen verboten, wollen sie die Fristen auf zwei und vier Jahre verlängern.
Die Organisation Heal kritisierte, Verbraucherinnen und Verbrauchen würden dadurch „länger als nötig bekanntlich schädlichen Chemikalien ausgesetzt“. Die Entwicklung geeigneter Alternativen werde zudem nicht ausreichend gefördert.
Industrieverbände wiesen die Kritik zurück. Die Änderungen stellten sicher „dass Inhaltsstoffe, die verboten werden müssen, auch verboten werden, während sichere Stoffe weiter verwendet werden können“, erklärte der Chef des Verbands Cosmetics Europe, John Chave.
Das Plenum des Parlament muss die Position der Abgeordneten von gestern noch bestätigen, anschließend geht die Reform in die weiteren Verhandlungen. Diese dürften noch mehrere Monate dauern.
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