Ärzteschaft

Chirurgen lehnen Empfehlung zu Zwangsverkäufen von Praxen ab

  • Freitag, 18. Juli 2014

Hamburg – Der Berufsverband Niedergelassener Chirurgen (BNC) hat die Experten­empfehlungen zum Abbau einer möglichen medizinischen Überversorgung als „statistische Schönfärberei und unzulässigen Eingriff in die unternehmerische Freiheit niedergelassener Ärzte“ zurückgewiesen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) hatte der Politik in seinem aktuellen Jahresgutachten unter anderem empfohlen, Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) zum Aufkauf von Arztpraxen zu zwingen, sollte der Überversorgungsgrad von 200 Prozent überschritten werden.

BNC-Präsident Dieter Haack kritisierte vor allem die der Empfehlung zugrunde gelegten Zahlen, die auf der vertragsärztlichen Bedarfsplanung aus dem Jahr 1990 basieren und weder den demografischen Wandel noch den tatsächlichen Versorgungsbedarf berück­sichtige. Tatsächlich seien Gebieten, die heute eine deutliche Überversorgung aufweisen, seinerzeit per Sonderbedarfszulassung zusätzliche Arztsitze zugeteilt worden. „Und zwar, weil die Einzelfallprüfung ergeben hatte, dass dort eben doch ein erhöhter Bedarf besteht“, erinnert Haack.

Zudem lasse das Gutachten außer Acht, dass gerade Chirurgen und Anästhesisten seit Anfang der 1990er Jahre von der Politik motiviert wurden, sich in eigener Praxis nieder­zulassen. Auch wegen der Vorteile der ambulanten Operationen.

Infolgedessen seien seit dem Jahr 2000 immer mehr stationäre Operationen in den ambulanten Bereich verlagert wurden. Sollte die Politik dem Rat des SVR folgen, befürchtet der BNC, dass in Zukunft Operationen, die heute kostengünstig und patientenfreundlich ambulant erbracht werden, wieder zu stationären Fällen werden – verbunden mit drastischen Kostensteigerungen und möglichen medizinischen Nachteilen für Versicherte.

Vor diesem Hintergrund sei die SVR-Forderung in jeder Hinsicht kontraproduktiv: „Dieser plötzliche Kurswechsel kommt willkürlichen Enteignungen gleich – politische Verlässlichkeit sieht anders aus!“, kritisiert der BNC-Chef.

hil

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