Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen in der Kindheit erhöhen Krebsrisiko
Stockholm – Patienten, die bereits in ihrer Jugend an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung leiden, haben schon im jungen Alter ein erhöhtes Risiko für die Entstehung gastrointestinaler Karzinome. Das berichten Forscher um Jonas Ludvigsson am Karolinska Institut. Sie veröffentlichten entsprechende Ergebnisse im British Medical Journal (2017; doi: 10.1136/bmj.j3951).
Unter chronischen entzündlichen Darmerkrankungen werden im Wesentlichen die Colitis Ulcerosa und der Morbus Crohn verstanden. Insbesondere bei der Colitis Ulcerosa ist das erhöhte Darmkrebsrisiko gut beschrieben. Den Patienten werden daher mehr und frühere Koloskopien empfohlen als der gesunden Normalbevölkerung. Ein Morbus Crohn scheint das Karzinomrisiko auch zu erhöhen, jedoch weniger stark als die Colitis Ulcerosa. Eine Indikation für häufigere Vorosorgekoloskopien ist bei diesen Patienten in vielen Fällen nicht gegeben. Dies hängt jedoch stark vom individuellen Krankheitsbild der Patienten ab. Möglicherweise erzeugt die antiinflammatorische Therapie auch eine gewisse Schutzwirkung vor malignen Erkrankungen.
9.000 Daten von Patienten verglichen
Zwar ist der Zusammenhang zwischen den entzündlichen Darmerkrankungen und den Karzinomen bekannt, jedoch ist unklar, wie sich das Krebsrisiko im Erkrankungsverlauf entwickelt. Kleine Studienkohorten erschweren außerdem die Abschätzung des realen Malignomrisikos, berichten die Wissenschaftler.
Die Forscher analysierten die Daten von über 9.000 Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (rund 4.600 Fälle Colitis Ulcerosa, 3.400 Morbus Crohn und rund 1.000 Unklassifizierte) und verglichen sie mit 92.000 gesunden Kontrollen. Die Erkrankung war bei den Patienten vor dem 18. Lebensjahr festgestellt worden. Es wurden Patienten eingeschlossen, bei denen die Erkrankung zwischen 1964 und 2014 diagnostiziert worden war. Durch die schwedischen Patientenregister war ein nahezu vollständiges Follow-Up möglich. Die Wissenschaftler kalkulierten das Krebsrisiko mithilfe einer multivariaten Cox-Analyse.
Das Risiko, überhaupt an einem Malignom zu erkranken, verdoppelte sich durch eine entzündliche Darmerkrankung (HR = 2,2), wobei eine Colitis Ulcerosa das Risiko etwas starker erhöhte als ein Morbus Crohn (HR 2,6 versus 1,7). Der größte Beitrag zu dem erhöhten Krebsrisiko ging von den gastrointestinalen Malignomen aus. Das Risiko steigerte sich durch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung stark (HR = 18). Das erhöhte Krebsrisiko war bei den Patienten bereits vor dem 25. Lebensjahr nachweisbar. Die Medikation und die Fortschritte in der Behandlung der Erkrankung schienen das Risiko nicht wesentlich zu modifizieren.
Die Zahlen sollten jedoch vor dem Hintergrund des allgemeinen Krebsrisikos gesehen werden, so die Wissenschaftler. Durch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung trete jährlich pro 556 Patienten ein zusätzliches Malignom auf. Bei Teilnehmern, die jünger als 18 Jahre alt waren, kam es pro 2.500 Erkrankung zu einem zusätzlichen Krebsfall. Das absolute Risiko für ein Malignom bliebe somit relativ gering, berichtet die Arbeitsgruppe.
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