Darmkrebsvorsorge: Kontrollendoskopie bei intermediären Adenomen nicht immer erforderlich

London – Nicht alle Patienten, bei denen während einer Vorsorgeendoskopie verdächtige Adenome entfernt wurden, müssen nach drei Jahren eine Kontrolluntersuchung durchführen lassen. Nach einer retrospektiven Studie in Lancet Oncology (2017; doi: 10.1016/S1470-2045(17)30187-0) konnte bei etwa einem Viertel der Patienten auf eine erneute Endoskopie nach drei Jahren verzichtet werden.
In Großbritannien entfallen mittlerweile 20 Prozent aller Koloskopien auf die Nachsorge von Patienten, bei denen bei der ersten Vorsorgeendoskopie verdächtige Adenome gefunden worden waren. Die Untersuchungen belasten die ohnehin knappen Ressourcen des staatlichen Gesundheitsdienstes. Das National Institute for Health Research (NIHR) hat deshalb untersuchen lassen, ob diese Kontrolluntersuchungen notwendig sind.
Ein Team um Wendy Atkin vom Imperial College London wertete dazu die Daten von 17 Kliniken aus, an denen in den letzten 20 Jahren etwa 250.000 Patienten koloskopiert wurden. Darunter waren 11.944 Patienten, bei denen Adenome mit einem intermediären Risiko entfernt wurden. In diese Kategorie entfallen nach den britischen Leitlinien Patienten, bei denen ein bis zwei große Adenome (10 mm Durchmesser oder mehr) oder drei bis vier kleine Adenome gefunden wurden.
Diesen Patienten wird geraten, sich nach drei Jahren einer Kontrolluntersuchung zu unterziehen. Die deutschen Leitlinien sehen dies ähnlich. Das Kriterium sind hier Patienten mit 3 bis 10 Adenomen, oder mindestens einem Adenom, das 1 cm oder größer ist, oder einem Adenom mit villöser Histologie.
Von den 11.944 britischen Patienten mit intermediärem Risiko hatten 42 Prozent die Einladung zur Nachsorge ignoriert, bei den anderen 58 Prozent waren eine oder mehrere Kontrollendoskopien durchgeführt worden. Insgesamt waren im Verlauf von 7,9 Jahren 210 Patienten am Darmkrebs erkrankt. Nach den Berechnungen von Aitken betrug die adjustierte Hazard Ratio nach einer Kontrollendoskopie 0,57 und nach zwei Kontrollendoskopien 0,51. Beide Werte waren statistisch signifikant. Patienten mit intermediärem Risiko können demnach durch die Kontrolluntersuchung ihr Darmkrebsrisiko in etwa halbieren.
Den größten Nutzen hatten Patienten, bei denen (beispielsweise nach einer inkompletten Darmreinigung) nur eine suboptimale Koloskopie durchgeführt werden konnte, oder bei denen Polypen im proximalen Dickdarm gefunden wurden, oder bei denen Adenome mit hochgradigen Dysplasien oder einer Größe von mehr als 2 Zentimetern entfernt worden waren.
Diese Gruppe umfasste 74 Prozent aller Patienten. Patienten aus dieser Gruppe, die auf eine Kontrollendoskopie verzichteten, hatten laut der Analyse von Atkin ein höheres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, als die Allgemeinbevölkerung. Die standardisierte Inzidenzrate (SIR) betrug 1,30 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,06-1,57).
Im Gegensatz dazu erkrankten Patienten ohne diese Merkmale seltener an Darmkrebs als die Allgemeinbevölkerung (die Entfernung der Adenome senkt das Darmkrebsrisiko). Atkin ermittelte eine SIR von 0,51 (0,29-0,84). In diese Gruppe entfielen 26 Prozent der Patienten, denen nach Ansicht von Atkin nicht unbedingt zu einer Kontrolluntersuchung geraten werden muss.
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