Ärzteschaft

Demenzerkrankungen bundesweit unterschiedlich verteilt

  • Freitag, 18. September 2020
/picture alliance, Karl-Josef Hildenbrand
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Greifswald – Bei der bundesweiten Verteilung von Menschen mit Demenz gibt es große regionale Unterschiede. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Universitätsmedizin Greifswald.

Demnach ist in vielen östlichen Landkreisen der Anteil von Menschen mit Demenz an der Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich hoch. Das gilt auch für einige Gebiete im Norden, mittleren Südwesten und Süden der Bundesrepublik.

Der Studie zufolge liegt der Anteil von Menschen mit Demenz an der Gesamtbevölkerung auf Kreisebene derzeit zwischen ungefähr 1,4 und drei Prozent. „Wir haben herausge­funden, dass Demenz in Deutschland sehr ungleichmäßig vorkommt – und dass es Gebiete gibt, in denen prozentual gesehen doppelt so viele Betroffene leben wie in anderen Teilen der Republik“, sagte René Thyrian, Experte für die Versorgung von Menschen mit Demenz am DZNE-Standort Rostock/Greifswald.

Während beispielsweise im Kreis Freising der Anteil an Menschen mit Demenz an der Bevölkerung bei 1,4 Prozent liegt, so ist dieser Anteil in Görlitz oder Dessau-Roßlau mit mehr als 2,9 Prozent etwa doppelt so hoch. Die Ursache für den hohen Anteil von Demenzbetroffenen in einigen ländlichen Kreisen liegt den Forschern zufolge in der Altersstruktur der jeweiligen Region.

Dort leben überdurchschnittlich viele ältere Menschen. „In Ballungsgebieten wie etwa dem Ruhrgebiet gibt es ebenfalls einen hohen Anteil von Menschen mit Demenz aufgrund der Altersstruktur und weil diese Regionen zudem sehr dicht besiedelt sind“, erklärte Thyrian.

Die Wissenschaftler entdeckten auch, dass aufgrund der dünnen Besiedelung in manchen ländlich geprägten Kreisen nur sehr wenige Menschen mit Demenz pro Quadratkilometer leben, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung relativ hoch ist. „Unsere Analysen zeigen, dass eine Darstellung auf Bundesebene die Situation für die einzelnen Kreise und kreisfreien Städte nur unvollständig abbildet“, erklärte Thyrian.

Bei der Versorgung von Demenzbetroffenen und deren Angehörigen in Deutschland empfiehlt er deshalb, regionale Gegebenheiten zu beachten: „Wir benötigen eine adäquate Versorgung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Die Angebote müssen auf die örtliche Situation in Landkreisen und Kommunen zugeschnitten sein“, so der Experte.

hil

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