Politik

Der Missbrauchs­beauftragte zieht schlechte Bilanz

  • Donnerstag, 6. Dezember 2012
Uploaded: 06.12.2012 14:33:08 by mis
Wilhelm Rörig © dpa

Berlin – „Für Missbrauchsbetroffene ist in diesem Jahr zu wenig erreicht worden“ – so lautet die Bilanz des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindes­missbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, am Donnerstag in Berlin. Ein Jahr nach dem Ende des Runden Tisches und ein Jahr nach seinem Amtsantritt „erschüttert Kindes­missbrauch nach wie vor täglich unsere Gesellschaft“, so Rörig. Gleichzeitig warteten die Betroffenen nach wie vor auf angemessene Hilfen. 

„Bis heute haben die Betroffenen keine Sicherheit, dass sie die Hilfen aus dem 100 Millionen-Euro-Fonds bekommen“, kritisierte Rörig. Vor einem Jahr wurde der Fonds vom Bundesfamilienministerium, dem Bundesjustizministerium und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung angekündigt. Die Länder sollten sich zur Hälfte daran beteiligen. „Das Schweigen der Politik, der Bundesregierung und der Bundesländer ist für die Betroffenen unerträglich“, erklärte Rörig. „Für mich ist nicht transparent, woran es hakt.“

Sofortigen gesetzlichen Handlungsbedarf sieht der Missbrauchsbeauftragte auch im Hinblick auf das Gesetz zur Stärkung der Rechte der Opfer sexueller Gewalt (StormG). „Das Gesetz muss noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden, damit es nach den Wahlen nicht wieder völlig neu aufgerollt werden muss.“

Rörig zeigte sich bei der Pressekonferenz zu seiner Jahresbilanz dennoch „vorsichtig optimistisch“. „Ich empfinde Erleichterung darüber, dass über Missbrauchsfälle inzwischen gesprochen wird, weil sich das gesellschaftliche Klima verändert hat.“ So sei beispielsweise die Charité sofort an die Öffentlichkeit getreten, als vor drei Wochen der Fall eines Pflegers bekannt wurde, der eine 16-jährige Patientin sexuell missbraucht haben soll. Das daraufhin entwickelte Präventionskonzept begrüße Rörig sehr.

Weiter forderte der Missbrauchsbeauftragte die Länder und Kommunen auf, endlich die Fachberatungsstellen zu stärken. „Die Beratungsstellen brauchen dringend finanzielle Absicherung und eine ausreichende Personalausstattung.“ Neben dem Ausbau der Beratungsstellen forderte Rörig, Versorgungslücken in ländlichen Regionen zu schließen sowie mehr spezialisierte Angebote für betroffene Jungen, Behinderte und Migranten zu schaffen. Bundesweit gebe es derzeit rund 300 auf sexuellen Missbrauch spezialisierte Fachberatungsstellen.

Ein eigener Rechtsanspruch auf Beratung von Kindern und Jugendlichen sowie ein leichterer Zugang zu Psychotherapien und Beratungsangeboten waren auch zentrale Forderungen von zwei öffentlichen Anhörungen im Rahmen der Reihe „Dialog Kindesmissbrauch“.  Bei der Anhörung zur gesundheitlichen Versorgung stellten Bundespsychotherapeutenkammer, Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Deutsche Krankenhausgesellschaft und der GKV-Spitzenverband Rahmenempfehlungen vor, wie die Versorgung der Betroffenen verbessert werden kann.

Auf die Umsetzung der Rahmenempfehlungen will der Missbrauchsbeauftragte „ein Auge halten“.

pb

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