Politik

Deutscher Psychothera­peutentag: Klares Votum für eine Direktausbildung

  • Montag, 17. November 2014

München – Der 25. Deutsche Psychotherapeutentag in München hat sich am Samstag für eine Reform der Psychotherapeutenausbildung ausgesprochen, die eine Approbation nach einem wissenschaftlichen Hochschulstudium der Psychotherapie auf Masterniveau anstrebt. In einer anschließenden Weiterbildung sollen Schwerpunkte in der Behandlung von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen sowie in wissenschaftlich anerkannten Verfahren möglich werden.

„Die Profession hat die Weichen gestellt, wir senden damit ein klares Signal an die Poli­tik, das Psychotherapeutengesetz  und die Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung in dieser Legislaturperiode zu überarbeiten“, sagte Rainer Richter, Präsident der Bun­des­psychotherapeutenkammer (BPtK). Beides hatte die Große Koalition bereits im Koalitionsvertrag festgelegt.

Mit der Reform der Psychotherapeutenausbildung befasst sich der Deutsche Psycho­thera­peutentag (DPT) bereits seit acht Jahren. Status quo ist eine postgraduale Ausbildung, also ein Hochschulstudium der Psychologie beziehungsweise Pädago­gik/Sozialpädagogik mit anschließender drei- bis fünfjähriger Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (PP) oder zum Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeuten (KJP).

Anlass für eine Reform ist zum einen die im Zuge der Bologna-Reform zunehmende „Bachelorisierung“ der KJP-Ausbildung: Zehn von 16 Bundesländern erkennen inzwischen den Bachelor-Abschluss als Zugang an. Befürchtet wird eine mindere Qualifizierung von künftigen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.

Zum anderen demonstrieren Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) seit Jahren für eine angemessene Honorierung ihrer obligatorischen praktischen Tätigkeit in Psychiatrischen und Psychosomatischen Kliniken und Abteilungen. Dieses einjährige „Praxisjahr“ wird häufig gar nicht, oft geringfügig und nur von wenigen Kliniken angemessenen vergütet. „Psychotherapeuten in Ausbeutung“ ist deshalb meist auf den Transparenten der Demonstranten zu lesen.

„Solange die praktische Tätigkeit juristisch als Praktikum gewertet wird, wird sich daran auch nichts ändern“, betonte Richter beim 25. DPT. Zum anderen lasse sich die Qualifizierung auf Masterniveau für KJP auch nur über eine umfassende Reform der Psychotherapeutenausbildung sichern, sagte er in Richtung einer Unterschriftenaktion von Hochschullehrern und anderen, die sich im Vorfeld des DPT für den Abschluss auf Masterniveau ausgesprochen hatten. Knapp 5.000 Unterschriften waren dabei zusammengekommen.

Ganz leicht fiel den Delegierten die Entscheidung für die sogenannte basale Direkt­ausbildung  nicht, letztlich stimmten aber 86 Delegierte der Landeskammern dafür und 38 dagegen, bei vier Enthaltungen. Zur Diskussion stand im Vorfeld des entscheidenden DPT, neben dem Beibehalt der postgradualen Ausbildung, auch das Modell der „dualen Direktausbildung“: nach dem Studium der Psychotherapie war dabei ein 1. Staatsexamen vorgesehen, die Approbation wäre aber erst nach einer zweiten Qualifizierungsphase  und einem 2. Staatsexamen erfolgt.

„Der springende Punkt ist der Zeitpunkt der Approbation, denn nur bei einer Approbation nach dem Hochschulstudium  ist eine Finanzierung der Weiterbildung wie bei den Fachärzten möglich“, erklärte Walter Ströhm, Delegierter aus Nordrhein-Westfalen. Um die ordnungspolitischen Probleme der Ausbildung lösen zu können, brauche es „eine Gleichstellung mit den Ärzten, also gleiche Ausbildungsstrukturen“, betonte auch Richter. Außerdem könnten nur mit diesem Weg Psychotherapeuten in Institutionen und Kliniken Facharztstatus erhalten. Um die Ausgestaltung der Weiterbildung müssen sich die Psychotherapeutenkammern kümmern.

pb

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