Die Prävention in Deutschland kommt nicht voran

Berlin – Unzufrieden mit dem Ausbau der Präventionsangebote und der Rahmenbedingungen für die Krankheitsvorsorge ist die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation (Degemed). Seit dem 1. Januar 2017 ist Prävention eigentlich eine Pflichtleistung der Deutschen Rentenversicherung (DRV).
„Allerdings bleiben Fallzahlen, Leistungsangebote und Bekanntheit der Maßnahmen bislang deutlich hinter den Erwartungen zurück“, heißt es in einem Positionspapier der Fachgesellschaft. Die Degemed fordert daher mehr Informationen über bestehende Präventionsangebote, einen „engagierten Ausbau der Anbieterstruktur und eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Vergütung“.
Für Arbeitnehmer besteht seit vier Jahren die Möglichkeit, Präventionsleistungen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) in Anspruch zu nehmen, um gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu begegnen, bevor daraus medizinisch behandlungsbedürftige Erkrankungen werden.
Diese Präventionsleistungen beinhalten die Themen Gewichtsregulation, Stressbewältigung und körperliche Bewegung. Das Training findet unter Anleitung statt sowie in einer eigenständigen Trainingsphase. Dies soll eine möglichst dauerhafte Verhaltensänderung unterstützen.
Die Kosten für die Präventionsleistung trägt die DRV. Seit Sommer 2020 betreibt die DRV ein Internetportal. Es soll den Leistungsberechtigten unkompliziert einen Zugang zum bestehenden Präventionsangebot vermitteln. „Nur kaum jemand kennt diese Seite“, kritisiert die Degemed und rief die DRV auf, das bestehende Angebot in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.
„Wir schlagen vor, über Präventionsleistungen mit einer breit angelegten öffentlichkeitswirksamen Informationskampagne zu informieren, die Leistungsberechtigte sowie Arbeitgeber-, Arbeitnehmervertretungen und Betriebsärzte einbezieht. Ebenso sollten innovative Ansätze wie Gutscheine, die ebenfalls eine erhöhte Aufmerksamkeit erzeugen, stärker als bisher genutzt werden“, heißt es in dem Positionspapier.
Problematisch sei außerdem, dass es bislang nicht genügend Reha-Einrichtungen gebe, die Präventionsleistungen anböten. „Damit haben die Leistungsberechtigten zurzeit noch zu wenig Möglichkeiten, die für sie ideale Einrichtung auszuwählen“, kritisiert die Degemed.
Die Fachgesellschaft schlägt vor, „dass die DRV eine eigenständige Initiative startet und gezielt dafür wirbt, dass mehr Reha-Einrichtungen Leistungen zur Prävention in ihren Leistungskatalog aufnehmen, um die vorhandene Anbieterstruktur auszubauen.“ Die Vergütung für Präventionsleistungen sollte sich dabei am Vergütungsniveau für Leistungen zur medizinischen Rehabilitation orientieren.
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