Medizin

Ebola: Favipiravir wirkt nur in der Frühphase der Erkrankung

  • Dienstag, 24. Februar 2015
Uploaded: 24.02.2015 18:33:28 by mis
dpa

Bordeaux – Das Virostatikum Favipiravir, das in Japan zur Behandlung der Influenza zugelassen ist, hat in einer Feldstudie in Westafrika bei Ebola-Patienten nur im Anfangs­stadium eine gewisse Wirkung erzielt, deren Ausmaß sich mangels Vergleichs­gruppe kaum ermessen lässt. Erste Ergebnisse wurden auf der Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI 2015) in Seattle vorgestellt.

Die Wirkung von Favipiravir, das als Nukleotid-Analogon RNA-Polymerasen hemmt, ist nicht auf die Influenza-Viren beschränkt. In-vitro-Studien zeigen eine Aktivität bei einer Reihe von RNA-Viren, zu denen auch das Ebola-Virus gehört, das mit der Polymerase L ein mögliches Angriffsziel für Favipiravir bietet. Nachdem das Mittel in mehreren tierexperi­mentellen Studien, unter anderem von Wissenschaftlern des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts, eine gute Wirkung erzielt hat und die Verträglichkeit in der Grippetherapie gut ist, wurde am 17. Dezember unter Leitung der französischen INSERM und mit Mitteln der Europäischen Kommission an vier Zentren in Westafrika eine Phase II-Studie begonnen.

Alle Patienten mit einem positiven Gentest (PCR) ab dem Alter von einem Jahr konnten, sofern sie oder ihre Eltern dies wünschten, mit Favipiravir behandelt werden. Nach einer hohen Anfangsdosis wurden Erwachsene mit zweimal 1.200 mg pro Tag behandelt. Bei Kindern wurde die Dosis auf das Körpergewicht abgestimmt. Die Wirkstoffe der 20mg-Ta­bletten wurden in Wasser aufgelöst und oral zugeführt.

Inzwischen liegen die Ergebnisse von 80 Patienten, darunter 11 Kinder vor, die Denis Malvy und Xavier Anglaret von der Universität Bordeaux jetzt in Seattle vorstellten. Bei 42 Prozent der Patienten zeigte die PCR bei Behandlungsbeginn eine sehr hohe Viruslast an. Von diesen Patienten hatten 81 Prozent ein refraktäres Nierenversagen. Die Ster­berate betrug 93 Prozent, weshalb die beiden Infektiologen den Einsatz von Favipiravir als Monotherapie im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung mit viszeraler Beteiligung für aussichtslos halten.

Wesentlich besser waren die Ergebnisse bei den anderen 58 Prozent der Teilnehmer, deren Viruslast zu Therapiebeginn weniger stark erhöht war. Hier entwickelten 42 Prozent ein Nierenversagen, aber nur 15 Prozent starben. In den drei Monaten vor der Studie habe die Sterblichkeit bei Patienten mit gleicher Viruslast noch bei 20 bis 30 Prozent gelegen, berichten die beiden Forscher.

Sie sind zuversichtlich, dass Favipiravir im Frühstadium der Erkrankung, kurz nach Eintritt der Symptome, wenn die Erkrankung noch nicht auf die inneren Organe übergegriffen hat, die Überlebensaussichten verbessern kann. Statistisch belastbare Angaben enthält die Pressemitteilung allerdings nicht und mangels randomisierter Vergleichsgruppe dürfte es schwer fallen, den Vorteil zwingend zu belegen.

Eine definitive Phase-III Studie ist nicht in Sicht. Die französischen Forscher kündigten an, dass sie die Studie fortsetzen werden mit dem Ziel, das Medikament möglichst frühzeitig im Verlauf der Erkrankung zu verabreichen.

rme

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