Ebola: Intensivmedizin rettet zwei US-Patienten

Atlanta – Auch wenn derzeit keine nachweisbar effektiven Wirkstoffe gegen Ebola zur Verfügung stehen, muss die Erkrankung nicht tödlich verlaufen. Entscheidend für das Überleben ist intensivmedizinische Behandlung mit einer ausreichenden Zufuhr von Flüssigkeit und dem Ausgleich des Elektrolythaushalts. Dies zeigen die ärztlichen Dossiers der beiden ersten US-Patienten im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1409838). Zuvor hatten dort Mediziner aus Hamburg ihre Erfahrungen mit einem Patienten vorgestellt, der trotz einer bakteriellen Superinfektion überlebte.
Nach dem jüngsten Situationsbericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in den drei westafrikanischen Ländern Liberia, Guinea und Sierra Leone 14.068 Menschen am Ebola-Fieber erkrankt, von denen 5.147 gestorben sind. Da einige der aktuellen Fälle die Erkrankung nicht überleben werden, dürfte die Case-Fatality Rate bei (weit) über 40 Prozent liegen. Von den 19 Patienten, die in den USA, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Norwegen und Deutschland behandelt wurden (oder werden) sind bisher nur drei gestorben, zwei weitere befinden sich noch in Behandlung. Wie es scheint, sind die Chancen, ein Ebola-Fieber unter den Bedingungen einer Maximalmedizin zu überleben, recht gut.
Schon das Dossier des im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf behandelten Patienten hatte gezeigt, dass der profuse Flüssigkeitsverlust durch Diarrhö und Erbrechen die Prognose der Erkrankung bestimmt, während ein hämorrhagisches Fieber mit Blutungen offenbar seltener als erwartet auftritt. Auch bei den beiden ersten in den USA behandelten Patienten, ein Arzt und eine Missionarin, standen Hypovolämie, Hypokaliämie, Hypokalzämie und Hypoalbuminämie im Vordergrund. Es kam bei beiden zwar zu leichten Blutungen, eine nennenswerte Koagulopathie wurde jedoch nicht diagnostiziert.
Beide Patienten erholten sich unter einer intravenösen Volumengabe und dem Ausgleich der Elektrolyte. Beide hatten zwar auch das Antikörper-Präparat ZMapp erhalten. Bei der Patientin kam es danach auch zu einem vorübergehenden Abfall der Viruskonzentration. Ein entscheidender Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung war jedoch nach Einschätzung des Behandlungsteams um G. Marshall Lyon von der Serious Communicable Diseases Unit an der Emory University School of Medicine nicht erkennbar.
Welchen Nutzen das Antikörperpräparat hat, muss randomisierten klinischen Studien überlassen bleiben, schreiben die Mediziner. Auch die Bluttransfusion eines Ebola-Überlebenden beim männlichen Patienten hatte nicht die durchschlagende Wirkung, die schon jetzt eine ernsthafte Bewertung zulassen würde.
In allen drei Fällen war die Diagnose erst mit Verzögerung gestellt worden. Bei allen war aufgrund des hohen Fiebers zunächst eine Malaria vermutet worden. Bei einem Patienten waren erst ab dem vierten Tag der Erkrankung Viren im Blut nachweisbar. Die beiden anderen waren erst an den Tagen 5 und 6 getestet worden. Auf der einen Seite dürfte dies die Frühdiagnose erschweren. Auf der anderen Seite bestätigt es aber die derzeit vorherrschende Ansicht, nach der die Ebola-Infektion zumindest vor Ausbruch der Symptome nicht übertragbar ist.
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