Ebola: Seltene Variante bestätigt, internationale Notlage ausgerufen

Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen. Mit diesem Schritt will die UN-Behörde in Genf unter anderem Nachbarländer in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen und die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft mobilisieren.
Es handle sich jedoch um keinen Pandemiealarm, stellte die WHO klar. Der ansteigende Trend von Verdachts- und Todesfällen in Ituri weise aber darauf hin, „dass der Ausbruch möglicherweise viel größer ist als bislang entdeckt und berichtet“, hieß es von der WHO. Deshalb bestehe ein beträchtliches Risiko für eine lokale und regionale Ausbreitung des Virus.
Die Provinz Ituri grenzt an Uganda und den Südsudan. Zusätzlich habe man es in dem am stärksten betroffenen Gebiet mit einer fragilen Sicherheitslage, einer humanitären Krise und starken Bevölkerungsbewegungen zu tun. Zudem gebe es keinen zugelassenen Impfstoff für den Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus, der in einer Reihe von Fällen bislang nachgewiesen werden konnte. Deshalb handle es sich um ein „außergewöhnliches Ereignis“.
Nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsinstitutes NIH hat der Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus` eine niedrigere Sterblichkeitsrate (von etwa 37 Prozent) als der Zaire-Stamm mit bis zu 90 Prozent. Bei früheren Ausbrüchen der lebensbedrohlichen Krankheit habe es sich hauptsächlich um den am häufigsten vorkommenden Zaire-Ebolavirus gehandelt, teilte die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC mit.
Grenzüberschreitender Ausbruch
Bislang seien in der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo acht nachgewiesene und 246 mutmaßliche Fälle der gefährlichen Fieberkrankheit aufgetreten, hieß es. Zusätzlich sei bereits ein Fall in der weit entfernten Hauptstadt Kinshasa nachgewiesen worden. Zudem seien zwei infizierte Personen aus dem Kongo nach Uganda gereist.
Die WHO berichtete von bislang 80 mutmaßlichen Ebola-Todesfällen in Ituri. Einer der reisenden Personen sei ebenfalls verstorben. Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC hatte zuletzt für die Demokratischen Republik Kongo etwas höhere Zahlen, nämlich 336 Verdachtsfälle und 88 Todesfälle gemeldet.
Lokale Infektionen in Uganda wurden bislang nicht bestätigt. „Wir gehen allerdings davon aus, dass die Zahl der Verdachtsfälle deutlich höher liegt“, sagte Africa CDC Direktor Jean Kaseya. Die Behörde stufe das Risiko für die Region als sehr hoch ein.
Der aktuelle Ausbruch habe vermutlich in der dritten Aprilwoche begonnen. „Wir untersuchen gerade, wo und wann genau er begann, um die Infektionskette zurückverfolgen zu können“, sagte Kaseya. Erst mit Hilfe dieser Informationen könnten Experten das komplette Ausmaß des aktuellen Ausbruchs einschätzen.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, sie bereite einen Großeinsatz in der Provinz Ituri vor. „Die Zahl der Fälle und Todesfälle, die wir in so kurzer Zeit beobachten, ist äußerst besorgniserregend“, erklärte die Leiterin des Nothilfeprogramms von Ärzte ohne Grenzen, Trish Newport. „In Ituri haben viele Menschen bereits Schwierigkeiten, Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten. Sie leben in ständiger Unsicherheit, weshalb schnelles Handeln entscheidend ist.“
WHO warnt Nachbarländer
Die WHO warnte, alle zehn Nachbarländer der Demokratischen Republik Kongo seien nun einem hohen Risiko ausgesetzt. Diese Staaten sollten dringend Vorbereitungen treffen, um auftretende Ebola-Fälle rasch zu entdecken und behandeln zu können.
Die Demokratische Republik Kongo und Uganda sollten laut WHO dafür sorgen, dass Infizierte und ihre Kontaktpersonen nicht in andere Länder reisen. Andere Staaten sollten hingegen keine Reisebeschränkungen erlassen oder ihre Grenzen dichtmachen, betonte die UN-Organisation. Denn dann würden Menschen auf inoffizielle Grenzübergänge ausweichen, die nicht überwacht würden. Das erhöhe wiederum das Verbreitungsrisiko von Ebola, warnte die WHO.
Die Behörden vor Ort verstärkten nach eigenen Angaben Grenzkontrollen, isolierten Kontaktpersonen und aktivierten Notfallteams in gefährdeten Regionen.
Warken bietet Hilfe an
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sieht nach dem schweren Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo derzeit keinen Handlungsbedarf in Deutschland. In der Bundesrepublik ist das Risiko „als äußerst gering einzuschätzen“, sagte die CDU-Politikerin im ARD-„Bericht aus Berlin“. „Im Land braucht es derzeit keine Vorkehrungen.“ Eine weltweite Ebola-Pandemie halte sie für „nahezu ausgeschlossen“.
Warken sagte, die internationale Gesundheitsnotlage solle vor allem die Behörden in den betroffenen Regionen unterstützen und Maßnahmen zur Eindämmung erleichtern. Zugleich betonte sie, es handle sich um ein örtlich begrenztes Geschehen. „Es ist aus meiner Sicht nahezu ausgeschlossen, dass es jetzt noch weitere Warnstufen geben muss.“
Hilfsanfragen aus den betroffenen Ländern gebe es bislang nicht. Deutschland könne bei Bedarf mit etwa mobilen Laboren vor Ort unter anderem über das Robert-Koch-Institut oder das Bernhard-Nocht-Institut unterstützen, sagte Warken.
Es handelt sich um den 17. Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo seit 1976. Nur zweimal zuvor habe es laut Africa CDC Ausbrüche der Bundibugyo-Variante gegeben: im Jahr 2007 in Uganda mit 37 Toten sowie 2012 im Kongo mit 29 Todesfällen.
Die WHO hatte Anfang Mai erste Hinweise auf mögliche Fälle erhalten und Experten in das betroffene Gebiet geschickt. Für Sofortmaßnahmen stellt die WHO 500.000 US-Dollar (431.000 Euro) zur Verfügung.
Ebola wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben. In der Demokratischen Republik Kongo starben beim letzten Ebola-Ausbruch in der südwestlichen Provinz Kasaï 45 Menschen zwischen September und Dezember 2025.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: