Else-Kröner-Fresenius-Stiftung fördert Profilbereich für Hochschulmedizin

Berlin – Bis zum Ende des Monats können sich Hochschulen für eine gezielte Förderung eines herausragenden Forschungsgebietes ihres Universitätsklinikums bei der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung bewerben. Entsprechend der Empfehlungen des Wissenschaftsrates von 2016 „Perspektiven der Hochschulmedizin“ will die Stiftung ab 2019 ein Else Kröner-Fresenius-Zentrum für klinische Forschung mit 40 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren fördern.
„Wir wollen die Entwicklung der Hochschulmedizin in Deutschland vorantreiben“, sagte Michael Madeja, Wissenschaftlicher Vorstand der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, heute in Berlin. Als „Experimentallabor der Gesellschaft“ sei die Stiftung dabei flexibler und schneller als die Politik. Mit diesem Wettbewerb könne man Erfahrungen für eine flächendeckende Ausschreibung von Mitteln sammeln, die zur Verbesserung der Forschungsressourcen und zur Schaffung innovativer forschungsunterstützender Organisationsstrukturen der Hochschulmedizin eingesetzt werden sollen.
Nur mehr Geld reicht nicht
Die Idee des Aufbaus von Profilbereichen in Forschung, Lehre und Krankenversorgung ist nicht neu. Der Wissenschaftsrat empfahl sie bereits 2016 in seinen „Perspektiven der Hochschulmedizin“. Darin mahnte er nicht nur eine finanzielle Stärkung der Hochschulmedizin an, sondern vor allem strukturelle Reformen. Dies gelte unverändert fort, betonte jetzt Hans-Jochen Heinze, ehemaliger Vorsitzender des Medizinausschusses im Wissenschaftsrat. Mit der aktuellen Situation der Universitätsmedizin könne man nicht zufrieden sein. Sie sei von einer „zunehmenden Dominanz der Versorgungsaufgaben und einer fortschreitenden Marginalisierung der akademischen Zielsetzung“ gekennzeichnet.
Um Abhilfe zu schaffen, reiche eine Finanzspritze allein nicht aus. Nötig sei vielmehr eine grundlegende Änderung der Strukturen. Insbesondere sei es erforderlich, verbesserte Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der klinischen Forschung zu schaffen, betonte Heinze. „Profilbereiche“ sollen die klassische Fächeraufteilung in der Medizin überwinden und eine Spezialisierung in Forschung und Krankenversorgung auf internationalem Spitzenniveau ermöglichen.
Zum Aufbau dieser Profilbereiche empfahl der Wissenschaftsrat einen bundesweiten Wettbewerb, bei dem sich die hochschulmedizinischen Standorte um einen Profilbereich bewerben können und für dessen Aufbau sie eine „Impulsfinanzierung“ durch Bund und Länder bekommen. „Die Ausschreibung der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung wird einen enormen Impuls auslösen“, ist Heinze überzeugt. Durch die Förderung einer Hochschule könne die Strukturänderung nun schon bald beginnen – ohne dass man auf die Politik warten müsse.
Auch die medizinischen Fakultäten und Universitätskliniken sind optimistisch. „Der Aufbau von Profilbereichen passt exakt unsere Zeit“, sagte Heyo K. Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentages. Profilbereiche mit arbeitsteiligen Organisationsstrukturen sind auch nach seiner Ansicht geeignet, die Attraktivität der Universitätsmedizin für herausragende Nachwuchstalente zu erhöhen. Viele Fakultäten hätten sich bereits auf solche künftigen Strukturen vorbereitet.
Die Auswahl des künftigen Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für klinische Forschung unter den in den nächsten Tagen erwarteten Anträgen erfolgt über einen mehrstufigen Prozess mit internationaler Begutachtung. Die Förderung des Profilbereichs soll in der ersten Hälfte 2019 beginnen.
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