Endokarditis: Antibiotika-Prophylaxe beim Zahnarzt entbehrlich
Sheffield – Der weitgehende Verzicht auf eine regelmäßige Antibiotika-Prophylaxe bei zahnärztlichen Eingriffen hat in England nicht zu einem Anstieg der Endokarditis-Erkrankungen geführt, wie aus einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 342: d2392) hervorgeht.
Nach zahnärztlichen und einer Reihe anderer invasiver Eingriffe im Bereich der Schleimhäute kommt es zu einer temporären Bakteriämie. Unter den Bakterien befinden sich auch die Erreger einer infektiösen Endokarditis, die unbehandelt stets tödlich verläuft. Die Erkrankung ist in den letzten Jahrzehnten jedoch sehr selten geworden.
Dennoch wurde lange vor zahnärztlichen Eingriffen eine Antibiotika-Prophylaxe empfohlen. In England war dies sehr verbreitet, bis das National Institute of Health and Clinical Excellence (NICE) im März 2008 die Kostenerstattung durch den staatlichen Gesundheitsdienst ablehnte. Seither sind die Verordnungen um 78 Prozent zurückgegangen.
Der Zahnmediziner Martin Thornhill von der Universität Sheffield hat jetzt untersucht, ob dieses plötzliche Verlassen der Antibiotika-Prophylaxe zu einem Anstieg der Erkrankungen an einer infektiösen Endokarditis geführt hat. Seine Analyse der Entlassungsdiagnosen der Kliniken in England kann keine Abweichungen von dem langfristigen Trend in der Inzidenz der infektiösen Endokarditis erkennen, die langsam aber stetig ansteigt.
Auch das Erregerspektrum hat sich nicht geändert. Es erscheint ihm deshalb unwahrscheinlich, dass die Leitlinien zu der anfangs befürchteten Rückkehr der infektiösen Endokarditis führen wird.
Zu erwähnen bleibt, dass die NICE, wie auch die deutschen Fachgesellschaften die Antibiotika-Prophylaxe beim Zahnarzt bei ausgewählten Patienten weiterhin empfehlen. Dazu gehören in erster Linie Patienten mit angeborenen Herzfehlern oder Herzklappenersatz, sowie Patienten nach überstandener Endokarditis sowie Herztransplantierte mit erhöhtem Risiko auf eine Valvulopathie.
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