Entdeckerin von Brustkrebsgenen erhält Paul-Ehrlich-Ludwig-Darmstaedter-Preis

Frankfurt/Main – Die Hauptrisikogene für Brust- und Eierstockkrebs sind BRCA1 und BRCA2: Mutationen können mit einem bis zu 85-prozentigen Lebensrisiko für Mammakarzinome assoziiert sein, für Ovarialkarzinome liegt es bei 45 Prozent. Die Entdeckerin der beiden Gene, die Genetikerin Mary-Claire King aus dem US-Bundesstaat Washington, hat am Donnerstag in der Frankfurter Paulskirche den mit 100.000 Euro dotierten Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis erhalten.
Die Forschungsarbeiten von King – sie hat sich seit den 70er Jahren mit genetischen Dispositionen für Krebs beschäftigt – sind wegweisend für Onkologie: Nach der Entdeckung der BRCA1- und 2-Gene wurde klar, dass Mutationen in diesen beiden Genen bei fünf bis zehn Prozent der Mammakarzinome und zehn bis 15 Prozent der Ovarialkarzinome eine wesentliche Rolle spielen.
Seitdem seien überall Vorsorgeprogramme für betroffene Frauen aufgelegt worden, sagte der Stiftungsvorsitzende Wilhelm Bender. Bei entsprechender Familienanamnese gehört heute eine Analyse der beiden Genorte zur DNA-Diagnostik. Der BRCA-Status ist mit unterschiedlichen Prognosen der Erkrankungen und möglicherweise unterschiedlichem Ansprechen auf bestimmte Zytostatika assoziiert.
Unter anderem mit diesen Forschungsarbeiten habe die 67-Jährige die Sicht auf große Volkskrankheiten radikal verändert, begründete der Stiftungsrat die Wahl der Preisträgerin. Auch habe Kings Arbeit weltweit zur Identifizierung von Menschenrechtsopfern beigetragen: King hat auch forensisch relevante Methoden weiterentwickelt wie die HLA-Typisierung. So ließ sich biologisch nachweisen, dass die argentinische Militärjunta von 1976 bis 1983 systematisch Kinder von politischen Gegnern entführte, um sie von Sympathisanten des Regimes adoptieren zu lassen.
Nachwuchspreis geht an Hirnforscher
Den diesjährigen Nachwuchspreis der Stiftung, dotiert mit 60.000 Euro, bekommt der britische Hirnforscher James Poulet. Der mit dem Nachwuchspreis geehrte Londoner Hirnforscher Poulet arbeitet derzeit am Berliner Max-Delbrück-Centrum. Dort gehe er der Frage nach, wie Sinneswahrnehmungen das Verhalten eines Individuums eigentlich beeinflussen, sagte der 37-Jährige in Frankfurt. „Wir interessieren uns für aktivierte Nervenzellen und resultierende Bewegungsantworten.” Poulets Forschungen seien auch für die Entwicklung künstlicher Gliedmaßen von zentraler Bedeutung, begründete der Stiftungsrat die Auszeichnung des Briten.
Der seit 1952 vergebene Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis zählt zu den international renommiertesten Auszeichnungen, die in Deutschland für die Medizin vergeben werden. Verliehen wird er stets am 14. März, dem Geburtstag des deutschen Naturwissenschaftlers und Arztes Ehrlich (1854 bis 1915). Der Preis ist auch nach dem jüdischen Wissenschaftshistoriker Darmstaedter (1846 bis 1927) benannt.
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