Politik

Erstattung von GLP-1-Rezeptor-Agonisten: Krankenkassen warnen vor Kostenausweitung

  • Donnerstag, 6. August 2026
/Christine, stock.adobe.com
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Berlin – Die Vorschläge zu einer Kostenübernahme von GLP-1-Rezeptor-Agonisten durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) sowie verbesserte Versorgungspfade, die kürzlich Sonja Optendrenk als neue unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) angeregt hatte, stoßen bei den Krankenkassen nicht unbedingt auf Zustimmung.

„Ich teile die Aussage von Sonja Optendrenk ausdrücklich, dass die Abnehmspritze allein kein Versorgungskonzept ist“, sagte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes, dem Deutschen Ärzteblatt.

Die Medikamente könnten bislang zur Behandlung von Typ-2-Diabetes auch für gesetzlich Versicherte verordnet werden. „Unsere Zahlen zeigen, Semaglutid und Tirzapatid gehören in der Diabetesindikation bereits zu den Blockbustern und die Verordnungen und damit die Ausgaben steigen sehr dynamisch", so Klemm weiter.

Optendrenk hatte in einem Interview mit dem Spiegel vorgeschlagen, der Gesetzgeber könnte dem Gemeinsamen Bundesausschuss den Auftrag erteilen, zu klären, welche Patientengruppen diese Arzneimittel bekommen sollten, wie lange und mit welchen Begleitmaßnahmen.

„Sollte der Gesetzgeber den bisherigen Ausschluss zur Verordnung zur Gewichtsregulierung öffnen wollen, würden entsprechend auch die Ausgaben für die GKV weiter und erheblich steigen“, sagte Klemm. Würde man in diese Richtung denken, müsste ein Beschluss dazu viel weiter gehen.

„Wir brauchen klare, evidenzbasierte Versorgungspfade, in denen Prävention, Lebensstilveränderungen und – wo medizinisch sinnvoll – auch Arzneimittel zusammen gedacht werden. Entscheidend ist also, dass medizinischer Nutzen, Prävention und die Finanzierbarkeit des solidarischen Systems zusammenpassen.“

Optendrenk hatte in dem Spiegel-Interview auch argumentiert, dass in Deutschland eine „rückständige Diskussion über Adipositas“ geführt wird. „Dass auch Abnehmmittel, die explizit zur Behandlung von Adipositas zugelassen sind, bei uns unter den Lifestyle-Paragrafen fallen, ist für Betroffene ein Zeichen dafür, dass diese Anerkennung fehlt“, so die unparteiische G-BA-Vorsitzende.

Auch hier warnt BKK-Dachverbands-Vorständin Klemm mit Blick auf vergangene sowie fehlende Gesetzgebung bei Präventionsgesetzen. „Wir dürfen nicht erneut in die Logik ‚Pille statt Prävention‘ verfallen.“ Viel mehr müsse auf eine stärkere Verhältnisprävention gesetzt werden. Dort liege ein ganz wesentlicher Hebel, den man in Deutschland bislang sträflich vernachlässigt habe.

„Während in Deutschland erst jetzt beispielsweise über Maßnahmen wie eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke diskutiert wird, sind andere Länder längst weiter“, so Klemm mit Blick auf die Besteuerung von Getränken in England. „Auch bei Adipositas müssen wir also stärker an den Ursachen ansetzen. Und wenn Arzneimittel Teil der Versorgung werden, dann gezielt, evidenzbasiert und eingebettet in ein Gesamtkonzept.“

Fast zeitgleich nach Erscheinen der Forderung von Optendrenk sprach sich der Deutschland-Chef des Pharmakonzerns Lilly, Alexander Horn, in einem Gespräch mit der FAZ dafür aus, die auch in seinem Unternehmen produzierten GLP-1-Rezeptor-Agonisten, künftig in der GKV zu erstatten.

Ihm sei zwar klar, dass nicht alle 17 Millionen Betroffene in Deutschland von der GKV die Mittel erstattet bekommen könnten. „Trotzdem, und da orientieren wir uns an der Leitlinie der Fachgesellschaft Adipositas, ist eindeutig, dass die Therapie gegen Adipositas für eine bestimmte Patientengruppe erstattungsfähig sein sollte", so der Lilly-Geschäftsführer.

Das Unternehmen verdient seinen Angaben zufolge vor allem bei den Selbstzahlern, die für den Monats-Pen von Mounjaro nach Angaben der FAZ auf dem deutschen Markt zwischen 200 und 490 Euro zahlen.

In dem Gespräch führt Horn weiter aus, dass er sich vorstellen könnte, dass die Krankenkassen auch nur teilweise die Medikamentenpreise erstatten könnten. „Viele Deutsche bezahlen auch für IGeL-Leistungen in großem Stil. Im vergangenen Jahr wurden dafür mehr als 2,3 Milliarden Euro ausgegeben. Solche Zuzahlungen für bestimmte verschreibungspflichtige Arzneimittel einzuführen, ist durchaus eine Überlegung wert“, so Horn weiter.

bee

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