EU-Ausschuss empfiehlt weitere Verwendung von Ethanol als Desinfektionsmittel

Berlin – Ethanol kann aus Sicht des Ausschusses für Biozidprodukte (BPC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zur Verwendung in Hand- und allgemeinen Desinfektionsmitteln zugelassen werden. Diese Empfehlung hat der Ausschuss heute ausgesprochen.
Hintergrund ist die Biozidverordnung, nach der alle in Biozidprodukten verwendeten Wirkstoffe genehmigt werden müssen, bevor diese Produkte zugelassen werden können. Der BPC gibt wissenschaftlich fundierte Stellungnahmen zu diesen Stoffen ab, um ihre Sicherheit und Wirksamkeit zu bewerten.
Der Ausschuss hat keine Stellung dazu genommen, ob Ethanol als krebserzeugender oder reproduktionstoxischer Stoff einzustufen ist. „Die meisten Belege für die karzinogenen und reproduktionstoxischen Eigenschaften von Ethanol stammen aus dem freiwilligen oralen Konsum alkoholischer Getränke“, hieß es aus dem BPC. Dies sei aber kein ausreichender Grund dafür, Ethanol auch für Desinfektionszwecke zu verbieten.
Die Europäische Chemikalienagentur wird die BPC-Stellungnahme jetzt an die Europäische Kommission weiterleiten. Folgen die Kommission und danach die Mitgliedsstaaten dem BPC-Votum, können biozidhaltige Produkte, die Ethanol enthalten, gemäß der Biozidproduktverordnung zugelassen werden. Unternehmen müssen eine Produktzulassung auf nationaler Ebene oder eine EU-Zulassung beantragen.
Ein breites Bündnis unter anderem mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der Bundesärztekammer (BÄK), der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine- und Krankenhaushygiene (DGKH), dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) und der BAG-Selbsthilfe hatte appelliert, den Infektionsschutz in Europa durch das aktuell laufende Biozid-Einstufungsverfahren nicht zu gefährden und Ethanol weiter als Desinfektionsmittel zuzulassen.
Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) begrüßte jetzt in einer ersten Stellungnahme die Entscheidung des BPC. „Das ist eine gute Nachricht für die medizinische Versorgung und den Infektionsschutz. Denn: Ethanol ist in der medizinischen Versorgung unverzichtbar“, sagte der BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Marc-Pierre Möll.
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