Ausland

EU-Report zeigt enorme Kosten durch PFAS auf

  • Freitag, 30. Januar 2026
/Jana, stock.adobe.com
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Brüssel – Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) verursachen in Europa geschätzte Kosten durch Gesundheitsschäden in Höhe von 39,5 Milliarden Euro im Jahr. Das geht aus einem Report der EU-Kommission hervor, der die vier wichtigsten PFAS-Typen berücksichtigt. Über alle PFAS hinweg dürfte der Schaden also größer sein.

PFAS sind wegen ihres langsamen Abbaus in der Natur auch als Ewigkeitschemikalien bekannt. Die Entfernung der PFAS aus Trinkwasser und kontaminierten Böden könnte – je nach Szenario – zusammen mit den Gesundheitsausgaben bis zum Jahr 2050 bis zu 1,7 Billionen Euro kosten, heißt es in dem Report.

PFAS sind synthetische Chemikalien, die Kohlenstoff-Fluor-Bindungen enthalten. Aufgrund ihrer wasser- und fettabweisenden Eigenschaften sind sie in vielen Alltagsprodukten enthalten, von beschichteten Pfannen, Funktionskleidung, Imprägniersprays bis hin zu Einwegverpackungen.

PFAS sind sehr langlebig und können sich im menschlichen Körper anreichern. Sie wurden in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Krankheiten in Verbindung gebracht, etwa chronischem Nierenversagen und arterieller Hypertonie, aber auch mit Atemwegsinfektionen, Autoimmunerkrankungen und Lebererkrankungen.

Auch Fortpflanzungsstörungen, Schwangerschaftskomplikationen und ein vermindertes fetales Wachstum treten bei exponierten Personen häufiger auf. Einige PFAS wie etwa Perfluoroctansäure (PFOA) sind nach Einschätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung krebserzeugend.

Einige PFAS sind in Europa bereits verboten. Dazu gehören Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), PFOA, Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS) und verwandte Stoffe sowie langkettige Perfluorcarbonsäuren (PFCA). Bei anderen gibt es Einschränkungen, so bei Perfluorhexansäuren (PFHxA) in Textilien und Verpackungen. Ein schrittweises Verbot aller PFAS in Feuerlöschschäumen ist geplant.

Die Europäische Kommission hat nun in einem Report berechnen lassen, was ein Ausstieg aus den PFAS in vier verschiedenen Szenarien kosten würde.

Bereits unter den derzeitigen „Business as usual“ – einige PFAS sind bereits verboten und die Exposition der Bevölkerung sinkt langsam – käme es zu einem Rückgang der Gesundheitskosten von 39,5 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 29,5 Milliarden Euro im Jahr 2050. Kumuliert ergäben sich Gesamtkosten von 360 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch einmal Kosten von kumuliert 78,3 Milliarden Euro für Bodensanierung und Wasseraufbereitung, macht in der Summe etwa 440 Milliarden Euro.

In einem zweiten Szenario („Drinking Water Directive“) würde nur das Trinkwasser kontrolliert. Die Trinkwasserrichtlinie legt einen Grenzwert von 100 ng/l für die Summe von 20 PFAS-Stoffen fest. Da diese Grenzwerte selten überschritten werden, blieben die Gesundheitskosten mit kumuliert 360 Milliarden Euro gleich. Die zusätzlichen Wasserkontrollen würden die Kosten durch Bodensanierung und Wasseraufbereitung auf kumuliert 85,8 Milliarden Euro erhöhen.

In einem dritten Szenario würde versucht, möglichst viele Böden zu sanieren und die Trinkwasserversorgung zu verbessern. Die kumulierten Kosten für diesen Bereich würden auf 1.480 Milliarden Euro steigen, die Gesundheitskosten würden auf 240 Milliarden Euro sinken. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt in Deutschland 2026 wurde auf 524 Milliarden Euro veranschlagt.

Wesentlich günstiger wäre das Szenario Nummer 4, das den völligen Produktionsstopp der PFAS anstrebt. Es würde die kumulierten Gesundheitskosten auf 260 Milliarden Euro senken und die Kosten für Bodensanierung und Wasseraufbereitung gegenüber dem Szenario Nummer 1 leicht auf 72,8 Milliarden Euro senken.

Der von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Report unterstützt also den Plan einiger EU-Länder, die seit Jahren ein umfassendes PFAS-Verbot anstreben. Die Studie bestätige, dass die Bekämpfung von PFAS an ihrer Quelle wirtschaftlich sinnvoll ist, erklärte EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall bei der Vorstellung des Reports.

rme

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