Experten fordern flächendeckendes Screening auf Vorhofflimmern

Berlin – Ein flächendeckendes Screening auf Vorhofflimmern könnte weltweit hunderttausende Schlaganfälle verhindern. Das schreibt das internationale Expertengremium AF-Screen in einem Aufruf, der in der Fachzeitschrift Circulation erschienen ist. AF-Screen ist ein Verbund, in dem sich 130 Kardiologen, Neurologen, Hausärzte, Gesundheitsökonomen, Pfleger, Apotheker und Vertreter von Patientenorganisationen aus 33 Ländern zusammengeschlossen haben.
Laut der World Heart Federation erleiden jedes Jahr weltweit 15 Millionen Menschen einen Schlaganfall. Von diesen sterben knapp sechs Millionen, weitere fünf Millionen tragen bleibende Schäden davon. Vorhofflimmern ist laut den Autoren für ein Drittel aller Schlaganfälle verantwortlich. Der Pathomechanismus ist bekanntlich das Verschleppen von im Herzen gebildeten Gerinnseln in das Gehirn.
„Durch Vorhofflimmern verursachte Schlaganfälle sind ausgedehnter und schwerer und fordern mehr Todesopfer als andere Schlaganfälle. Ein Screening kann gefährdete Personen davor schützen, überhaupt einen solchen zu erleiden“, erläuterte Renate Schnabel vom universitären Herzzentrum Hamburg und vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK).
„Wird Vorhofflimmern rechtzeitig erkannt, kann einem Schlaganfall mit blutverdünnenden Mitteln sehr gut vorgebeugt und der Schweregrad der Schlaganfälle abgemildert werden. Mithilfe von Screenings konnte bei ein bis drei Prozent der 65- bis 75-Jährigen ein zuvor unerkanntes Vorhofflimmern diagnostiziert werden“, erläutern die Autoren in dem Beitrag.
Sie rufen Regierungen weltweit dazu auf, Screenings für Personen ab 65 Jahre einzuführen. Entsprechende Programme könnten von Hausärzten, in Apotheken oder auf Gemeindeebene mithilfe einer Pulsmessung, eines Blutdruckmessgeräts oder eines portablen EKG-Gerätes durchgeführt werden.
Aber auch die Patienten selbst sollten laut AF-Screen aktiv werden: „Wenn Sie 65 Jahre oder älter sind, können Sie Ihren Arzt bitten, Ihren Puls zu messen, oder Sie können selbst zu Hause überprüfen, ob er regelmäßig ist wie ein Uhrwerk“, erläuterte Schnabel. Sollte er unregelmäßig sein, sollte ein Arzt den Rhythmus kontrollieren.
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