Exzellenzstrategie: Kommission wählte 57 Cluster aus

Bonn – In der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder zur Stärkung der Spitzenforschung an den Universitäten in Deutschland sind gestern die Entscheidungen über die Exzellenzcluster gefallen, die ab Januar 2019 über sieben Jahre mit jährlich rund 385 Millionen Euro gefördert werden sollen. Die Fördermittel werden dabei zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent vom jeweiligen Sitzland bereitgestellt.
Ein internationales Expertengremium und eine mit Vertretern des Bundes und der Länder besetzte Exzellenzkommission wählte in Bonn aus 88 Förderanträgen insgesamt 57 Exzellenzcluster zur Förderung aus – unter ihnen auch viele Anträge aus dem Bereich der Medizin.
Hier einige Beispiele: So konnten die Goethe-Universität Frankfurt und die Justus-Liebig-Universität Gießen ihren gemeinsamen Antrag für ein Exzellenzcluster „Cardiopulmonary Institute“(CPI) durchsetzen. Ferner wird an der Universität Göttingen der Exzellenzcluster „Multiscale Bioimaging: von molekularen Maschinen zu Netzwerken erregbarer Zellen“ gefördert. Insgesamt sieben Exzellenzcluster sind von der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin eingeworben worden, darunter der neurowissenschaftliche Exzellenzcluster NeuroCure, der bereits seit 2007 im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder an der Charité – Universitätsmedizin Berlin gefördert wird. Auch der Exzellenzcluster „Hearing4all: „Hören für Alle: Medizin, Grundlagenforschung und technische Lösungen für personalisierte Hörunterstützung“ wird für sieben weitere Jahre gefördert. Beteiligt sind Neurowissenschaftler, Mediziner, Psychologen, Linguisten, Physiker und Ingenieure der Universität Oldenburg, der Leibniz Universität Hannover sowie der Medizinischen Hochschule Hannover.
Mit den Clustern sollen auch Nachwuchswissenschaftler gefördert werden: So unterstützt beispielsweise der jetzt neu bewilligte Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen/Precision Medicine in Chronic Inflammation“ speziell die Karriere forschender Ärztinnen und Ärzte. Dazu wird zusammen mit den medizinischen Fakultäten, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und der Ärztekammer Schleswig-Holstein ein bundesweit wegweisendes neues Programm zur Ausbildung junger klinischer Forscher und Forscherinnen ab 2019 auf den Weg gebracht.
Insgesamt sind die ausgewählten 57 künftigen Cluster an 34 Universitäten angesiedelt. 40 sollen von einer einzelnen Universität durchgeführt werden, 14 von zwei Universitäten und drei von drei Universitäten im Verbund. Rund 49 Prozent der Projekte knüpfen direkt an Exzellenzcluster oder Graduiertenschulen an, die bereits seit 2012 in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wurden.
Zur Historie: Um die Spitzenforschung an deutschen Universitäten zu unterstützen, hatten sich 2016 Bund und Länder darauf verständigt, den deutschen Wissenschaftsstandort im internationalen Wettbewerb mit einer neuen Exzellenzstrategie zu stärken. Die Förderung soll wissenschaftliche Spitzenleistungen ermöglichen, die Profile der Universitäten schärfen und zu noch stärkerer Vernetzung und Kooperation im Wissenschaftssystem anregen. Die Exzellenzstrategie baut dabei auf ihr Vorgängerprogramm, die Exzellenzinitiative, auf, die von 2007 bis 2017 etabliert war und zu herausragenden Forschungsleistungen beitrug. Zudem stärkte sie die Zusammenarbeit von Universitäten mit außeruniversitären Partnern. Die Exzellenzstrategie besteht aus zwei Teilen: den Exzellenzclustern und den Exzellenzuniversitäten.
Mit der gestrigen Auswahl der Exzellenzcluster ist somit zugleich der zweite Teil der Exzellenzstrategie eingeleitet worden. 17 Universitäten mit mindestens zwei oder im Verbund drei Exzellenzclustern können sich nun bis Ende 2018 als Exzellenzuniversität bewerben. Sie können bis zum 10. Dezember 2018 Anträge einreichen, über die im Juli 2019 wiederum in der Exzellenzkommission entschieden wird.
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