Fach- und Oberärzte an Unikliniken benötigen geschützte Zeiten für Forschung

Bonn – Fach- und Oberärzte an Universitätskliniken sind für die medizinische Forschung besonders wichtig, haben wegen ihrer vielen Aufgaben in der Patientenversorgung aber oft zu wenig Zeit für die Wissenschaft. Die Ständige Senatskommission für Grundsatzfragen in der klinischen Forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat daher ein „Programm zur wissenschaftsorientierten und strukturierten Personalentwicklung“ vorgelegt.
Dieses modellhafte „Advanced Clinician Scientist Programm“ ist eine Weiterentwicklung der Empfehlungen der Senatskommission von 2015, Clinician-Scientist-Programme für Ärzte in der Facharztweiterbildung einzurichten. Beide Empfehlungen schließen laut der DFG eine derzeit im internationalen Vergleich in Deutschland bestehende Lücke bei der Förderung eines wissenschaftlich-akademischen Karrierewegs in der Universitätsmedizin.
50 Prozent Forschungsanteil
„Wir brauchen gerade in Zeiten der Unterfinanzierung von Universitätskliniken geschützte Zeiten für Forschung sowie verlässliche und attraktive Karrierewege für Fachärzte“, sagte die Vorsitzende der Senatskommission, Leena Bruckner-Tuderman. Die DFG wolle auch für Ärzte nach der Facharztqualifikation Strukturen für eine erfolgreiche Verknüpfung von Wissenschaft und Krankenversorgung schaffen.
Dies soll in Form spezieller Programme geschehen, um „eine Verbindlichkeit zwischen der Institution und den geförderten Personen herzustellen. Unabdingbar ist hier ein verbindlich festgelegter Forschungsanteil von etwa 50 Prozent der Arbeitszeit“, so die DFG-Vizepräsidentin.
Zu den Aufgabenfeldern der forschenden Fach- und Oberärzte, der „Advanced Clinician Scientists“, zählt die Senatskommission neben der Leitung einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe und der Krankenversorgung die forschungsorientierte Lehre sowie die Einbindung in die Aus- und Weiterbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Sie empfiehlt, Fach- und Oberärzte dafür über einen Zeitraum von maximal sechs Jahren in einem solchen Programm zu fördern.
Die Finanzierung der Programme sollte laut DFG zweigeteilt sein: Die klinische Tätigkeit sollte aus Mitteln der Krankenversorgung, der Forschungsanteil aus Drittmitteln und aus einem erhöhten Landeszuführungsbetrag finanziert werden. Daher richten sich die Empfehlungen nicht nur an die medizinischen Fakultäten, sondern auch an die Ministerien für Forschung und Gesundheit in Bund und Ländern, um die finanziellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, die Programme zeitnah einzurichten.
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