Fachgesellschaft warnt vor Piercing als Therapie von Migräne und Kopfschmerz
Ulm – Auch bei alternativen Heilangeboten gibt es Modewellen: Im Augenblick empfehlen tausende von Links im Internet Ohr-Piercings als Therapie der Migräne oder des Clusterkopfschmerzes. Das Piercing wird dazu im Bereich des Ohrknorpels an einem der Akupunkturpunkte gesetzt, die zur Migränebehandlung genutzt werden.
Aber das Verfahren beruht laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) auf keiner nachvollziehbaren pathophysiologischen Grundlage. Zwar kündigen Protagonisten eine klinische Studie an, die in Zusammenarbeit mit einem Arzt durchgeführt werden soll. Bislang wurden jedoch laut der DMKG keine Studien in einer Studiendatenbank registriert oder zu diesem Thema publiziert.
Die Piercings gehen im Gegenteil sogar mit gesundheitlichen Risiken einher, denn im Bereich des Ohrknorpels ist das Risiko einer verzögerten Wundheilung oder einer nachfolgenden Infektion im Vergleich zu Piercings an gut durchblutetem Gewebe deutlich höher.
Laut der DMKG sind zahlreiche Fälle publiziert, in denen es zur Entzündung des Ohrknorpels mit nachfolgend kosmetisch unschöner Verformung der Ohrmuschel kam. Die Fachgesellschaft rät daher Migräne- und Clusterpatienten von Ohrpiercings zur Behandlung dringend ab und empfiehlt eine an Leitlinienempfehlungen orientierte nichtmedikamentöse und medikamentöse Behandlung durch einen Arzt.
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